s gibt sie, diese verrückten CDs. Man tut sie in den CD-Player und drückt völlig unbedarft auf „Play“. Aber während man sich eigentlich gemütlich in den Sessel gleiten lassen will, wird man mit voller Wucht erwischt. Und die Ohren hören erst nach dem zweiten oder Dritten Schnappo auf zu schlackern. Aber danach ist man dann auch bereit für den Rest einer fulminanten Hardcore-Platte.
Aber konnte ja auch keiner ahnen, dass sich hinter dem super Artwork solch wilde Musik verbirgt. Echt mal! Hardcorebands haben doch sonst immer nur schwarz-weiß Fotos von Live-Konzerten auf dem Cover, die einen schon ausreichend einschüchtern. Die Platte ist eigentlich nicht wirklich gut. Das muss man einfach sagen. Ein gutes Mastering hätte hier schon viel bewirkt, aber in den krasseren Passagen ist der Sound viel zu breiig. Manchmal liegt’s auch an der Band, die bei der hohen Geschwindigkeit nicht immer ganz tight ist. Allerdings sind sie zum Teil schon verdammt schnell. Sogar so schnell, dass sie in einigen Teilen das „normale“ Hardcore-Tempo deutlich überschreiten und eher da landen, wo sich sonst Grindcore-Bands austoben.
Aber manche Bands können einfach dadurch überzeugen, dass man ihnen vollkommen abnimmt, dass das was sie tun zu 100 Prozent ihr Ding ist. Und das ist hier schlicht der Fall. Das erkennt man etwa auch daran, dass sich die Band nirgends versucht anzubiedern und es so gut wie keine „melodiösen“ Parts gibt. Shouten bis zum Brechreiz ist vielmehr angesagt. Die Platte ist tendenziell schon im Demo-Stil konzipiert, die guten Songs kommen zuerst und werden dann immer weniger gut. Folgerichtig ist auch der Opener „Renaissance“ – also der Track, der mich so umgehauen hat – das Highlight der Platte. Selbst bei irrsinnig hohem Tempo, schafft es die Band gute Tempo- und Rhythmus-Wechsel zu bringen. Nur kurze Breaks bringen wenige Sekunden Verschnaufpause und heben so die Parts schwungvoll voneinander ab.
Da gefällt auch sehr, dass die am Schluss ausklingende Gitarre gleich ins nächste Stück „Reveille“ überleitet. Bei dem wiederum besonders das Schlagzeug mit feiner Double-Bass und auch sonst großem Aktionismus überzeugt.
In „Desiderata“ kommt dann schon ein erstes Mal ein bisschen Langeweile auf. Sprechparts hatten wir schon auf dem vorhergehenden Track. Und da die Shouts relativ hoch sind (sonst wär’s auch wirklich Metal), erscheinen einige Parts ein bisschen schwächlich, wenn nur Schlagzeug und Gitarrengefrickel in höheren Lagen zu vernehmen ist. Der Bass lässt insgesamt leider auch zu wenig von sich hören.
In „Cité Radieuse“ gibt es dann aber auch schon wieder sehr groovige Parts, die sich fast NuMetal-Riffs bedienen. Da sind dann auch die Gitarrenparts besser akzentuiert.
Grundsätzlich freut aber, dass die Band sich sehr bemüht ein kompaktes Album zu machen und nicht zwanghaft die Minuten füllt. Das entspricht ja auch dem Hardcore-Gedanken: Energie bündeln und hoch konzentriert herauslassen. Somit sind die 37 Minuten Spielzeit auch voller Action. Zum Ende der Platte schleichen sich wie erwähnt immer häufiger auch Parts in die Tracks, die nicht unheimlich innovativ oder spannend sind. Aber das Album vermitteln sehr gut, dass hier Menschen wirklich Bock auf ihre Musik haben und die einfach durchziehen – komme was wolle. Und davon lass ich mich gern anstecken!










