ubstep wird nun schon seit einigen Jahren als heißeste Innovation in Sachen Clubmusik gehandelt. Doch ist es nicht einfach als Kontinentaleuropäer am Ball zu bleiben, zumal die meisten Releases auf Vinyl in geringer Stückzahl erscheinen und nur selten den Weg über den Ärmelkanal finden. Da bleibt kaum etwas anderes als sich auf die wenigen Compilations zu stürzen. Compilations wie „Box Of Dub 2“.
Eine immer größere Rolle im Dubstep spielt Soul Jazz Records. Mit Skream, den Digital Mystikz und Kode 9 hat das Label die drei wichtigsten Acts (zumindest teilweise) an Board, die im Grunde auch die Einzigen mit nennenswerten internationalen Bookings sind. „Box Of Dub 2“ featuret allerdings auch einige weniger bekannte Künstler, die die Compilation besonders interessant machen. Das wirklich Bemerkenswerte an diesem Release ist jedoch, dass hier eine Seite von Dubstep offen gelegt wird, die bislang etwas unter den Tisch gefallen ist – obwohl sie eigentlich ganz wesentlich ist: Die Fröhlichkeit.
Compilations wie „Mary Anne Hobbs Presents The Warrior Dubz“, das bei Planet Mu erschien, zeichnen ein Bild von Dubstep als finstere, böse Musik aus der Gosse. Dabei hat Dubstep aber nun mal jamaikanische Wurzeln, die nicht zu leugnen sind.
„Sublemento“ von Skream ist zum Beispiel ein wirklich freundlicher Track mit gänzlich zauberhaften Piano- und Orgeleinwürfen. Auch wenn Skream wirklich alles andere als ein Bilderbuch-Jamaikaner ist, hört man in Tracks wie diesen eine Sehnsucht heraus. Eine Sehnsucht wie sie wohl Jamaikaner haben, die weit weg von ihrem Heimatland in den Londoner Suburbs gestrandet sind. Und das ist eben Dub: Sehnsucht und Lebensfreude gegossen in eine Form der Clubmusik, die von Bass und Langsamkeit geprägt ist.
Von gleichem Charme ist auch „Thief In Da Night“ der Digital Mystikz, die zumindest noch ein bisschen mehr „street credibility“ mitbringen. „Stung“ von Kode 9 beginnt sogar mit munterem Glockenspiel, packt dann aber den rumpeligsten Bass der ganzen Platte aus und bringt mit ein paar Rewinds wenigstens einen Hauch von Club-Atmosphäre auf die Platte.
Pinch ist einer der jüngeren Artists, der gerade sein erstes Album rausbringt und sonst nur eine Hand voll 12“ veröffentlicht hat. Mit seinem Track „Step 2 It“, das eher ins Reich des Future Dub gehört, empfiehlt er jedoch nachdrücklich den Kauf seines Albums. Der geradezu einfühlsame Gesang von Rudney Lee fügt sich perfekt in die weiche, groovige Soundlandschaft von Pinch.
Wirklich wummernde, unnachgiebige Tracks kommen insbesondere mit „Tamil Dub“ von King Soly, der mit dem Track sogar debütiert! Da bin ich auf jeden Fall gespannt, was von dem noch kommt. Denn mit solchen Tracks kann man wirklich Clubs niederbrennen. Ein Weiterer ist „Let Go Mi Shirt“ von Cotti feat. Kingpin, das eine ähnliche Bassline, jedoch wesentlich stärkere Reggae-Anleihen hat. Hier werden auch nochmal genau die angesprochenen Gegensätze miteinander verknüpft: Die harten Bässe, die im Club einfach Spaß machen und der freundliche Gesang, zum Teil sogar mit traditionellen Bläsersätzen und dezentem E-Gitarren-Picking.
Insgesamt eine wunderbare Platte, die einen bislang fast einmaligen Einblick in die ferne Dubstep-Welt ermöglicht und weder Längen noch Schwächen hat. Dabei aber Künstler vorstellt, die tatsächlich dieser „Box of Dub“ entsteigen könnten um zu echten Protagonisten der Bewegung zu werden. Einziges Manko: Trotz 58 Minuten immer noch zu kurz!










