it „Pop Arif“ kommt nun nach fünf Jahren Sendepause der Nachfolger von Karuans Debut “Dohuki Ballet“. Das Album ist interkulturell und fusionistisch, verbindet orientalische und westliche Einflüsse - mal poppig, mal super Clubmusik.
Karuan ist gebürtiger Wiener, hat aber kurdische Eltern, weshalb eine nahöstliche Exotik den Grundton seiner Musik ausmacht. Der Titel „Pop Arif“ versteht sich als Hommage an den kurdischen Musiker Mohamed Arif, zugleich betont er aber die poppige Richtung, die das Album einschlägt. Karuan hat sichtlich viel experimentiert, ausgetüftelt, scheinbare Gegensätze aufgehoben und damit Arrangements geschaffen, die äußerst komplex sind. Auf „Pop Arif“ kommen diverse Stimmen zu Wort, egal ob klassisch ausgebildet oder eher aus dem Bereich spoken word kommend. Insgesamt fällt es dadurch ein bisschen schwer, das Album einzuordnen. Manche Stücke passen, wenn man nach dem ersten flüchtigen Hören urteilt, ausgezeichnet in Tanzlokalitäten, in die es mich nie verschlagen würde – so zum Beispiel „Reflections of a Poem“ oder „What You Are“. Partymusik, die aufgelegt wird, wenn der Gastgeber sich nicht sicher ist, ob nun getanzt werden soll oder ob doch eher Rumstehen angesagt ist. Sich selbst nebenbei unterhalten oder die Musik sprechen lassen?
Der Großteil der Songs ist aber weniger ambivalent, sondern ein Zeugnis von musikalischem Verständnis und einem ausgefeilten Gehör. Auf dem Titeltrack „Pop Arif“ ist beispielsweise die klassisch ausgebildete Mara Mastalir zu hören, deren glasklare Stimme sich wunderbar von einem zarten Klangteppich aus verspielten Beats, gezupfter Gitarre und zurückhaltenden Streichern abhebt. Beinahe ohne dass man es bemerkt, geht der Song zum nächsten über, sodass hier ein Gesamtkunstwerk von fast 10 Minuten entsteht. Das Schöne ist, dass Karuan sich die Zeit nimmt, solche Stücke zu entwickeln. Während es in „Pop Arif“ noch relativ dynamisch losgeht, werden beim Übergang zu „Trainstations Without Fascists“ die elektronischen Beats von schlichtem Schlagzeugspiel und der Gesang von einer kurzen beiläufigen Sprecheinlagen abgelöst. „Trainstations Without Fascists“ macht allein hinsichtlich des Titels nachdenklich. Der Song ist sehr ernst und vermittelt auch ohne Worte seine Botschaft. Karuan zeigt großes kompositorisches Talent und hat wirklich ein Gefühl für die Musik, was ihr eine enorme Authentizität verleiht.
Mir haben es neben diesen ruhigeren und nachdenklichen Stücken besonders die Club-Songs angetan, die schnelle Beats und elektronische Einflüsse mit orientalischen Flöten oder Gitarre verbinden. „Poem Of The Five Finger Family“ ist so ein Song, der zwar fast etwas zu poppig ist, aber sich zum echten Ohrwurm entpuppt. Das instrumentale „Give What You Want“ ist dann aber wirklich ein uneingeschränkt super Song, der durch vorwärtsdrängende Rhythmen und der überaus gelungenen oriental-Disko-Mischung besticht.
Karuan schafft es verschiedenste Grundstimmungen einzufangen und diese eins zu eins musikalisch umzusetzen. „Pop Arif“ ist eine Platte, die für nicht sehr viel Umsatz sorgen wird, wenn sie im Plattenladen zum Reinhören rumliegt. Durch Reinhören überzeugt dieses Album nicht, weil es dafür zu vielschichtig ist. Wer mit der Platte nach dem ersten Hören nicht viel anfangen kann, wird aber garantiert nach ein paar Tagen seinen Zugang dazu finden und sich über ein zeitloses, qualitativ hochwertiges Stück Musik umso mehr freuen.











