olgendes Dilemma: Eine CD hat 12 Tracks. Zwei Drittel davon sind für sich betrachtet echt ganz cool. Die übrigen vier Titel sind einfach der geilste Shit ever. Dagegen wirken wiederum die ersten 8 Tracks etwas müde, grau und langweilig. Ist die CD dann großartig oder nur gut?
Der Spaß geht gleich mit einem fantastischen Track los – „Freshly Squeezed“. Weiche Klöppel rasen über die Snare, kaum sind die Claps dabei, ist man schon mächtig am grooven – dabei ist noch gar nix passiert! Dann setzt die Stimme von Majka Edjo ein, die wohl am besten mit dreckigem Samt beschrieben ist – wunderbarer Straßen-Soul. Der Track begnügt sich durchweg mit minimalistischem Arrangement; E-Gitarre und Orgel sind alles andere als aufdringlich, den Bass hört man selten. Trotzdem, oder gerade deshalb, liegt eine unheimliche Spannung in der Luft. Ein wirklich erfrischend lebendiger, mitreißender Auftakt, der sehr viel Lust auf mehr macht.
Da ist das Problem. „El Traffic Jam“ und „Trippin’ On You“ wirken schon eher blass gegen diesen großartigen Opener. Dabei würden beide keine schlechte Figur in modernen Funk-DJ-Sets machen! Für den Durchschnittsmusikhörer wären es vermutlich die beiden besten Funk-Tracks, die er je gehört hat. Dennoch! Dennoch kommen danach einfach mal noch viel viel größere Knaller.
„Tiptoe Through The Jungle“ ist Africa-Funk vom Feinsten. Aus Drums, Gitarre, knurriger Posaune, Orgel und weiterem musikalischen Allerlei wird eine Dschungel-Atmosphäre gezaubert, die keine stupide Kulturräuberei ist, sondern einfach ein höchst grooviger Ausflug. Wie der Auftakt-Track ist „Tiptoe Through The Jungle“ wieder ein sehr flottes Stück, das einen einfach mitreißt.
Gleiches gilt für meinen absoluten Favorite „Vinyl Junkie“, bei dem die bislang noch kaum in Erscheinung getretene Mariella Gonzalez sehr aufmerksam auf sich macht. Den Track hab ich wirklich schon mehrfach fünfmal hintereinander gehört. Wiederum sehr groovig, schickt sich hier eine Klarinette an, melodiös durch den Track zu geleiten, weitere instrumentale Dinosaurier wie Querflöte oder Xylophon werden zum Leben erweckt und bringen zudem Schwung rein. Mariella soult, summt, erzählt und rappt als würde sie jeden Abend im Blue Note in NY stehen – wäre ich ein Label, hätte ich sie jetzt schon ungesehen gesignt.
Sehr hot ist im übrigen „Welcome To The Casbah“, bei dem Prince Po rappt, der 1989 mit Pharoahe Monch die „Organized Konfusion“ gründete. Sein Spitting hier ist herrlich rough und bildet einen harmonischen Kontrast zum Trip-Hop/ NuJazz-Beat.
Das sind die großen Highlights. Aber können die anderen Songs das Bild trüber? Schon ein bisschen. Auch wenn diese, wie gesagt, durchaus gelungen sind, wirken sie manchmal etwas zu lang und mitunter etwas zu wenig abwechslungsreich. Oder wenn Casbah selber singt, dann mag mir das funkige Gequietsche, das vielleicht zu sehr an Prince orientiert ist, nicht so recht gefallen. Dennoch keine schlechten Tracks! Aber sie haben einfach zu große Brüder.
Für Casbah ist das Album jedoch ein riesiger Sprung. Im Vergleich zu „Pushin’ 40“ ist sein erstes Album „Moodes and Grooves“ um einiges rustikaler gewesen. Wenn diese vier-fünf unglaublichen Tracks der Maßstab für die Zukunft sein sollen, dann können wir uns auf Einiges gefasst machen. Bis dahin „Pushin’ 40“ feiern und sich von mir nicht den Spaß verderben lassen.










