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"Targets" von Missill
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"Targets" von Missill

ährend im Januar eigentlich die ganze Musikwelt im tiefen Winterschlaf schlummert, nutzt eine junge Französin die Ruhe, um ein Debütalbum in den Ring zu schmeißen, das an Großartigkeit kaum zu überbieten ist. Noch bevor andere Künstler über neue Alben nachdenken, sichert sich Missill einen Top10-Platz für die 2008er Jahres-Charts in den Kategorien: „Bestes Debüt“, „Club-Brett des Jahres“ und „fettestes Album 2008“.

Nachdem Frankreich 1996 aufhörte Atomwaffen im Mururoa-Atoll zu testen, wird gerade in der französischen Hauptstadt eine Bombe gezündet, die auf jeden Menschen auf diesem Planeten gerichtet ist. Die Folgen sind verheerend. „Meine Ohren dröhnen noch, meine Beine schmerzen“, berichtet ein Zeuge, der die designierte Heeresführerin Missill in Aktion er- oder besser über-lebt hat. Seine tapferen Worte „aber ich habe ein Lächeln auf den Lippen“ klingen zwar hoffnungsvoll, aber auch danach, dass Missills Angriff eine mindestens so lange Halbwertszeit hat, wie die Bomben die im Pazifik ins Wasser patschten.

Eigene Selbstversuche können das nur bestätigen. Seit knapp zwei Monaten hab ich das Album und ich vernachlässige sträflich alle anderen Platten, die ich eigentlich hören müsste. In einem fulminanten Stil-Mix verschmelzen die besten Club-Musik-Errungenschaften der letzen zehn Jahre: Hip-Hop trifft Dancehall trifft Breakbeat. Der Mix ist aber nicht nur perfekt gelungen, sondern auch vielmehr als die Summe der drei Bestandteile. Ein mörderischer Sound mit massivem Bass-Einsatz, immer hohem Tempo und einer Soundästhetik, die rund drei-vier Jahre in der Zukunft liegt und völlig konsequent verfolgt wird. Das kenne ich sonst höchstens von Liveshows von DJ Vadim oder vielleicht DJ Hell. Oder das was Lady Sovereign gern machen würde, wenn sie könnte. Haha. Man sieht: Es gibt keine vernünftigen Vergleiche.

Höhepunkte sind kaum auszumachen, bei der riesigen Hit-Dichte. „Get Busted“ beispielsweise gibt sich mit heftigem Druck Breakbeat-Frickeleien hin, bleibt dabei aber absolut tanzbar und vor allem cool. „Kema“ schafft es, Grime-Ästhetik mit noch komplexeren Beats zu feiern und noch brachialer zu sein, als es die Jungs aus England machen. „Ill“ ist potentieller Höhepunkt eines jeden Dancehall-Sets. US-Rap-Affinität wird unter anderem mit „Toxick“ geliefert, der mit groovigen Breaks und großartigen Shouts wie „Get Down, Get Low, Get Filthy“ den Nagel auf den Kopf trifft. „Check Dat“ ist ein weiterer Banger, bei dem wiederum gleichermaßen komplexe wie bouncige Beatstrukturen auf schnelle Raps treffen. Wem das noch nicht an Abwechslung reicht, findet an andere Stelle auch noch verzerrte Gitarren.

Dass die Credibility bei diesem fusionierenden Ritt durch die Randbereiche bekannter Genres gegeben ist, hat zwei Gründe. Zum einen hat Missill eine große Reihe von (zum Teil auch renommierten) Feature-Gästen. Da macht dann einfach jeder das, was er am besten kann. Und das hört man. Zum anderen sind Missills Beats schlicht und einfach absolut passgenau. So als hätte sie ihr Leben lang nichts anderes gemacht, sind die Beats völlig selbstbewusst und dynamisch, egal ob 4/4 oder Breakbeat, egal ob mit Midi-Sounds, Monster-Bass oder E-Gitarre. Hinzu kommen noch zahllose Effekte, die Songs und Voices modulieren und den Tracks eine weitere Dimension geben.

Und ganz wichtig: Die Platte ist nicht nach 25 Minuten zu Ende, weil dann keine Ideen mehr da waren. 15 Tracks mit über 50 Minuten Spielzeit kriegt man geboten. Oben drauf gibt es dann noch einen 12 Minuten langes Mash-Up, bei dem man dann auch noch Missills DJ-Skills kennenlernen kann – die das Mädchen in Bapestas zu einem der wichtigsten Akteure in der Pariser Club-Szene gemacht haben.

„Targets“ ist, wie eingangs erwähnt, für mich schon jetzt eines der Top-Alben des Jahres. Im kompletten Durchlauf besser als 99,99 Prozent aller DJ-Sets und absolutes Must-Have für… ja für jeden der einen CD-Player hat. Ganz ganz großartiges Teil!

S. Krutzinna
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01 Forward (feat. Dynamite MC) | 02 Ill (feat. Junior Red) | 03 Toxick (feat. Dynamite & 9Lives The Cat) | 04 Kema (feat. Yethz) | 05 Check Dat (feat. Ninelives The Cat) | 06 Choose To Care (feat. Blurum 13) | 07 Interlude Tez | 08 Dark Moon (feat. DJ Netik) | 09 Cant Control Me | 10 Kabrake (feat. Edu-K) | 11 Comic Strip Soundtrack | 12 Glitch | 13 Scream | 14 Get Busted | 15 Mueve Lo (feat. Yethz) | 16 Bonus - Targets Mega Mash Up Medley Mix
Release: 25.01.08 bei Discograph
|http://www.discograph.com|
Künstler-Homepage: http://www.missill.com
cover
Bewertung:
5/5