http://magagin.de/reviews/292
"Rest Now, Weary Head! You Will Get Well Soon" von Get Well Soon
E
"Rest Now, Weary Head! You Will Get Well Soon" von Get Well Soon

ine neue Platte von Bright Eyes? Könnte man meinen. Erstens: der Titel. “Rest Now. Weary Head! You Will Get Well Soon” – “Lifted or The Story Is In The Soil, Keep Your Ear To The Ground”. Zweitens: der Künstler. Wieder ein blutjunger Musiker, der, egal was kommt, sein Ding macht. Drittens: das Artwork. Romantisches Gekringel, Blumenranken, warme Töne. Viertens: Contents. Melancholischer Indie-Pop wie ihn der schüchterne junge Herr aus Nebraska geprägt hat.

Auch wenn Konstantin Gropper alias Get Well Soon vielleicht hier und da Anleihen gemacht hat (nicht nur bei Bright Eyes), ist sein Debütwerk trotzdem kein Abklatsch, keine Nachmache und kein Plagiat. Nennen wir das mal künstlerischen Eklektizismus. Und betrachten wir wohlwollend, was der gerade mal 25-Jährige auf die Beine gestellt hat. „Rest Now, Weary Head! You Will Get Well Soon“ ist das Endprodukt zwanzigjährigen Musizierens. Seit er fünf ist spielt der Knabe, Sohn eines Musiklehrers, Cello. Zur Kommunion gibt’s kein Gesangbuch, sondern ein Schlagzeug. Es folgt eine Jugend, die geprägt ist von zielstrebigem Musizieren: Gropper genießt sowohl eine klassische musikalische Erziehung, aber zugleich erprobt er sich in Schülerbands, experimentiert viel herum und entwickelt so einen Stil, der auf seinen Studioaufnahmen sehr ausgereift und ausgefeilt erklingt. Kompositorisches Feingefühl und der Sinn für gewagte Klangfusionen prägen das Album des Wahlberliners. Gropper verirrt sich nicht auf deutschen Wegen, er katapultiert sich gleich in eine höhere Liga; seine Musik ist internationaler als man es von einem Jungspund aus der süddeutschen Provinz für möglich hält.
Klar, es gibt Tage, an denen man keinen melancholischen Indie-Pop, diesen ganzen Depri-Quatsch nicht mehr hören mag. Zugegeben, der Markt ist davon ja auch überschwemmt. Von den schüchternen Jungs, die underdressed und verträumt-unattraktiv auf ihre Chucks gucken, anstatt uns ins Gesicht zu singen, offen zu sein, straight. Und wenn schon schüchtern, dann hat eigentlich Conor Oberst auch wirklich schon alles gesagt, was es auf dem Gebiet zu sagen gibt.

Aber Konstantin Gropper ist trotzdem ein bisschen anders. Ein bisschen Weltschmerz, ein bisschen Schwermut und eine Menge Realismus birgt „Rest Now, Weary Head! You Will Get Well Soon“ in sich. Das Album ist zyklisch aufgebaut: Es beginnt mit dem Präludium und endet mit der Coda, die in der traditionellen Musikwissenschaft angibt, dass alles noch mal von vorn beginnt. In der klassischen Notation folgt nach der Coda aber ein anderer Schluss und so bricht auch Gropper aus der ewigen Wiederholung aus. Diese Musik sagt uns, dass auch, wenn das Leben wie ein Teufelskreis erscheint, es doch irgendwie voran geht. Dass auch, wenn deine Welt gerade grau und blass erscheint, bald alles in warmen Farben erstrahlt. Dass auch wenn du dich im Stich gelassen und hilflos fühlst, bald jemand da sein wird:
„Don't you cry for I love your thought / Don't let your fiery soul burn down / We're in this together - we'll always be / Fight your war inside your jail / I see you fidget hard in your trap / Smashed your head at the wall - this far you got (I sold my hands to food so please feed me).

L. Krutzinna
titel
01 prelude | 02 you / aurora / you / seaside | 03 christmas in adventure parks | 04 people magazine front cover | 05 if this hat is missing I have gone hunting | 06 help to prevent forest-fires | 07 I sold my hands for food so please feed me | 08 we are safe inside while they burn down our house | 09 born slippy nuxx | 10 your endless dream | 11 witches! witches! rest now in the fire | 12 ticktack! goes my automatic heart | 13 lost in the mountains (of the heart) | 14 coda
Release: 18.01.08 bei Cityslang
|http://www.cityslang.com/start/|
Künstler-Homepage: http://www.youwillgetwellsoon.com/
cover
Bewertung:
4/5