ntfesselung. Das ist wohl das Stichwort, das am besten zu The Mars Voltas viertem Album “The Bedlam In Goliath” passt. Dass die beiden Masterminds Omar Rodriguez-Lopez und Cedric Bixler-Zavala (ehemals At The Drive-In) mit ihrem most progressive rock wieder schocken - das war zu erwarten und begrüßen. Mittlerweile ist der Sound aber so weit, dass man beim Hören von “The Bedlam In Goliath” sogar den Verstand zu verlieren glaubt.
Kein progressive Rocker würde heute noch ein Konzeptalbum machen, dass mit an Kapitelüberschriften angelehnten Titeln operiert. Ob “The Bedlam In Goliath“ ein Konzeptalbum ist - das muss man auch erstmal rauskriegen. Denn die Band macht hier angeblich nicht einfach nur Musik, sondern betreibt aktive Dämonenvertreibung. Die buchstäbliche Bekämpfung des Aberglaubens wird nämlich als der große Grundkomplex angelegt; so habe Omar in einem Kuriositätenladen in Jerusalem einen mysteriösen Gegenstand - ein Brett - als Geschenk für Cedric gekauft, der die Band in den Monaten danach immer mehr fesselte und bei ausbleibenden Gegenleistungen anfing, den Jungs zu schaden. Einmal gab es eine Überschwemmung im Studio, ein Techniker soll wahnsinnig geworden sein, Cedric hatte eine auffällige Fußverletzung, Schlafstörungen, gelöschte Tracks, etc. pp. Als das Brett anfing zu drohen, vergrub man es.
Man darf von solchen Ideen halten, was man mag. Unheimlich ist es schon, mit welcher Besessenheit The Mars Volta das Thema auf “The Bedlam in Goliath” verfolgen. So meint man die Dämonen, mit denen durch das Brett kommuniziert wurde, wirklich sprechen zu hören: Ein kreativer und gewagter Einsatz der produktionstechnischen Möglichkeiten macht es möglich. Es grenzt ja schon an ein Wunder, dass man sich inmitten dieses Wusts von Instrumenten und Stimmen noch zurecht findet. So knallt z.B. inmitten eines “Refrains” von “” ein Gitarrensolo los (an konventionelle Songstrukturen hält man sich dabei kaum).
”i crawl along the ceilings in your room
the cold is spinning thread
to answer you
i need something made of freewill”
Ich habe weder Lust noch Zeit, jetzt alle mythische - vor allem christliche - Symbolik in “The Bedlam In Goliath” zu entschlüsseln. Ehrlich gesagt habe ich auch ein wenig Angst davor, denn wenn man erst einmal damit angefangen hat, fällt es sicher schwer wieder aufzuhören. Ich interpretiere die Platte einfach als Amulett, das ich tragen kann, um mich vor den dunklen Mächten zu schützen. Wer sagt denn, dass dieser Hokuspokus mit dem Brett, der die kolossale Promoinfo zum sechsseitigen Roman macht, nicht auch metaphorisch verstanden werden kann? Als Aufhänger funktioniert er jedenfalls bestens - und der übertragene Sinn ist auch nicht ohne.
“The Bedlam In Goliath” ist aber natürlich vor allem ein Meisterwerk auf formaler Ebene. Zwischen zweieinhalb und zehn Minuten strecken sich die zwölf Songs, die neben dem perfektionierten Einsatz von Gitarre, Schlagzeug, Bass und Gesang auch auf Saxophon (die instrumentierte Entfesselung in “Aberinkula”) und einige synthetische Klänge zurück greifen. Verzerrte Stimmen, Streicher, Instrumente des Okzidents (“Soothsayer”) verleihen dieser Platte noch mehr Substanz. So ist es: The Mars Volta beherrschen alle Mittel des Rock und greifen nebenbei schwammartig und doch gekonnt auf neue Einflüsse zurück.
Langeweile kommt dabei nicht auf, auch, wenn das ungeübte Ohr die Platte sicher erstmal verstoßen wird. Man braucht Geduld, um hier durchzusteigen - das Geld beim Albumkauf ist aber gut angelegt, weil man noch beim x-ten Hören Befriedigung empfindet - wenn man kein Problem mit sakralen Chorälen und Heiligenbildern hat. Mit dabei ist übrigens auch wieder Red Hot Chili Pepper John Frusciante. - Unmöglich, das hier auszunudeln.
”maybe i’ll breakdown
maybe i’ll try
circumvent inoculation
and i just want a cut
when i will breakdown
lately i might
un-connect the fascination
and i just want to touch”











