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"Raz Ohara And The Odd Orchestra" von Raz Ohara And The Odd Orchestra
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"Raz Ohara And The Odd Orchestra" von Raz Ohara And The Odd Orchestra

iese Platte ist grandios. Wer Raz Ohara kennt, mag vielleicht auf alles gefasst sein, weil dieser Mann so verdammt vielseitig ist. Trotzdem ist dieses unauffällige, schlichte, unbetitelte Album eine Überraschung höchsten Grades. Blümerante, poppig-leichte Klänge, die zugleich in todtraurigem Moll versinken, mögen so gar nicht zu dem passen, was man von dem Dänen erwartet, der seit einigen Jahren die Berliner Elektro-/Clubszene aufmischt.

Mitte der 1990er Jahre beschließt Raz Ohara, der eigentlich Patrick Rasmussen heißt, nach Berlin zu gehen. Mehrere Jahre lang stolpert er durch die Hauptstadt, durchlebt Hochs und Tiefs, Exzesse und Schicksalsschläge, knüpft interessante Kontakte und verliert sie wieder. Er erprobt sich in diversen musikalischen Projekten, sein Stil schwankt zwischen House und Indie, Ambient und Reggae; schließlich veröffentlicht Raz Ohara bei dem kleinen und feinen Label Kitty-Yo.
Doch was er uns jetzt vor die Füße schmeißt mag weder zu seinem persönlichen Werdegang passen noch erwartet man eine solche Veröffentlichung von dem Techno-Label Get Physical, das mit Raz Ohara and the Odd Orchestra zwei wirklich außergewöhnliche Querulanten unter seine Fittiche nimmt, die aus jeder Schublade empört wieder herauskrabbeln, in die man sie versucht einzusperren. Der zweite Querulant, also das Odd Orchestra, ist übrigens der gebürtige Belgier Oliver Doerell, der zu jeweils 50 % bei Dictaphone und Swod mit Elektronika, Lounge und Downtempo herumexperimentiert. Mit dem Aufeinandertreffen dieser beiden Weltenbürger in Berlin wird der Boden für eine wunderbare, hochinspirierte Zusammenarbeit vorbereitet. Die beiden frickeln so lange an dem Album herum bis es genau so ist, wie es sein muss.

Und was sich nun hinter diesem neugierig machenden, abstrakten Artwork verbirgt ist nichts anderes als wunderschöner Elektro-Pop. Es geht um Zwischenmenschliches; die Platte bildet ein breites Spektrum der menschlichen Gefühlswelt ab: Während der Opener „Happy Song“ erlaubt, eine leise Hoffnung zu schöpfen und einen Hauch positiven Lebensgefühls vermittelt, stellt der letzte Track den Kulminationspunkt der Verzweiflung dar, sie treibt Raz Ohara in die Atemlosigkeit, wenn er feststellt: „Truth doesn’t fake“. Raz Ohara und das Odd Orchestra spielen aber bei Weitem nicht nur für Trauerklöße und für zu Hause aufm Sofa. Das Album wäre nicht so überwältigend, wenn nicht auch Songs dabei wären, die in Sachen Dynamik und Tanzbarkeit Akzente setzen würden. „Kisses“ ist so ein Song, der dermaßen ins Blut übergeht, dass er schwer wieder abzuschütteln ist. Auch die Nr. 8, „Counting Days“, besticht mit einer sehr außergewöhnlichen, nahezu sphärischen Komposition, in der vor allem die elektronischen Komponenten zum Vorschein kommen. Im folgenden Track wieder ein schöner Kontrast mit der durchgehend gezupften Gitarre. Das alles wird mehr als überzeugend von feinen Arrangements, sich scheinbar endlos wiederholenden Piano-Motiven, Streichern und zu großen Teil Oharas authentischer Stimme getragen. Musik wird hier nicht nur gemacht, sondern gelebt.

L. Krutzinna
titel
01 Happy Song | 02 Kisses | 03 One | 04 Fragment | 05 Agony | 06 The Case | 07 Where He At | 08 Counting Days | 09 Wondering | 10 Love For Mrs. Rhodes | 11 Set On You
Release: 18.01.08 bei Get Physical
|http://www.physical-music.com|
Künstler-Homepage: http://www.myspace.com/razoharaandtheoddorchestra
cover
Bewertung:
5/5