ein Herz schlägt schneller: Nada Surf haben wieder ein Album gemacht. Angesichts der drei absolut staubfreien Platten in meinem CD-Schrank, mit denen mich das Trio aus New York bisher so begeistert hatte, sollte die Rezension von “Lucky” eigentlich nur Formsache werden; der seit einigen Monaten beim Label City Slang frei herunterladbare Song “See These Bones” stärkte die Erwartungshaltung ebenso wie das mal wieder gelungene Design von CD-Cover und neuer Homepage. Aber jetzt knirscht es zwischen meinen Zähnen.
“See These Bones” ist gleich der Opener des neuen Albums und das ist für mich schonmal eine ziemliche Überraschung. Es ist für mich der schönste Song auf “Lucky”, insofern macht das aus marketingtechnischer Sicht schon Sinn - andererseits wäre er auch ein wunderbarer Schlusspunkt mit dem nötigen Gänsehautfaktor gewesen. Inhaltlich mit einer ordentlichen Portion Mythos angehaucht steht das Lied auch formal bezeichnend für Nada Surf im Jahre 2008: Matthew Caws schreibt Songs, die mit einer grundlegenden Melancholie ausgestattet sind, aber trotzdem Fröhlichkeit ausstrahlen können. Das war schon das Markenzeichen bei “The Weight Is A Gift”, wo schon der Titel für mich dieses Prinzip perfekt verkörperte.
Caws besticht auch nach wie vor mit ausgeklügelten Gesangsharmonien, die z.B. das folkloreske “Here Goes Something” sehr an Simon and Garfunkel erinnern lassen. Seine Stimme ist klar und trifft scheinbar von alleine immer einen unheimlich den richtigen Ausdruck; sein Gitarrenspiel von einer sauberen Brillanz beseelt, die die kompakte Singleauskopplung “Whose Authority” zum Ohrenschmaus macht. Auch nicht neu ist, dass Daniel Lorca und Ira Elliott an Bass und Schlagzeug bzw. jeweils auch Hintergrundgesang dem ganzen die typische Note zu geben verstehen, ohne sich zu sehr in den Vordergrund zu drängen.
Kommen wir also zu den Dingen, die anders sind - und die mich diese Platte auch deutlich unterhalb ihrer Vorgänger einsortieren lässt. Es ist zwar natürlich kein Nachteil oder Ärgernis per se, dass Nada Surf sich Gäste einladen. Es sprengt aber doch das gut funktionierende Bandgefüge aus Bass, Schlagzeug, mehrstimmigem Gesang und Gitarre durch “fremde” Einflüsse und beraubt die Band damit einer großen Stärke. Dass diese Eindringlinge dann zum Teil auch noch über das Internet zu der Band gestoßen sind mag man für eine schöne Idee im Sinne der Völkerverständigung halten - mir erscheint es schlicht unglücklich. Dergestalt ist auf jeden Fall der Einsatz von Ed Harcourt am Klavier bei der Ballade “Beautiful Beat” vor allem aufgrund der Langweiligkeit des Songs; im anspruchsvolleren “Weightless” taucht er genau wie die auf “Lucky” eher störenden weil unnötigen Streicher nur Rande auf. Martin Wenk (Calexico) steuerte ebenfalls online einen so witzigen wie unnötigen Bläsersatz für “Ice On The Wing” bei. Die mit Country-Elementen und Gesang von Lianne Smith versehene Ballade “The Film Did Not Go Round” lässt sich angesichts der klaren Dominanz von Caws’ Stimme nicht wirklich als Duett bezeichnen; warum diese Zaghaftigkeit?
Vielleicht ist es zu früh, dass ich mich auf Streicher, Harcourt, Wenk und Smith als die Fehler von “Lucky” festlege; die Platte braucht auf jeden Fall Anlaufzeit. Das schöne “Are You Lightning?” z. B. aber zeigt mir einmal mehr, wie gut Nada Surf als Trio sind; vor allem der facettenreiche Klang von Caws Gitarre reicht einfach schon aus. Dieser Versuch ist also zumindest dieses Mal nach hinten losgegangen - den restlichen wirklich herausragenden Qualitäten dieser Band tut das natürlich keinen Abbruch. Dass die Luft nach mittlerweile 16 Jahren des Bandbestehens schon raus sein könnte glaube ich einfach nicht: Abhaken, weitermachen!











