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"Greatest Hits" von Morrissey
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"Greatest Hits" von Morrissey

as ist klar: Wenn Steven Patrick Morrissey (ab nächstem Jahr im Club der 50er) ein Album macht, dann lauscht die Welt. Der Mann beherrscht es nicht nur, wunderbaren Pop-Songs seine Stimme zu leihen - er ist auch ein Virtuose im Zusammenspiel mit den Medien sowie anderen Personen der Öffentlichkeit. Angesichts der musikalischen Vita des “Saint Morrissey”, die von den Anfängen der Smiths 1982 bis zur aktuellen “Greatest Hits”-Platte reicht (und im Herbst auch mit einem regulären Studio-Album fortgesetzt werden soll) muss ich erstmal ein bisschen Ehrfurcht ablegen.

Aber wie soll das gehen? Der Mann macht länger Musik als ich auf der Welt bin. Das heißt, dass ich nicht nur seine Platten in der Revue betrachten muss, sondern auch von den meisten Skandalen aus Mozzers Leben nur im Nachhinein erfahren konnte. Z. B. von den Hausdurchsuchungen als Folge des Anti-Thatcher-Songs “Margaret On The Guillotine”. Oder von seinem Auftritt bei einem Madness-Konzert 1992: flankiert von zwei Skinheads und in die Union Jack gehüllt präsentierte er seinen Song “The National Front Disco”, u.a. mit der Textzeile “England for the English”. Persönlicher Favorit ist vielleicht das Lied “Sorrow Will Come in the End”, in dem Moz 1997 Morddrohungen gegen Mike Joyce ausspricht - nachdem er gerichtlich zu Zahlungen gegen den Ex-Drummer von The Smiths verpflichtet worden war. Wikipedia arbeitet diese ganzen Geschichten ja auf - die Geheimnisse über seine sexuelle Orientierung, der Streit mit Johnny Marr in der britischen Boulevard-Presse, sein Eintreten für Tierschutz und Vegetarismus, Abneigungen gegen die Royals, etc. pp.

Die entsprechenden Artikel lesen sich prima - kein Wunder, dass Morrissey demnächst eine Autobiographie veröffentlichen möchte. Jetzt aber habe ich hier erstmal “Greatest Hits” auf dem Schreibtisch liegen und verfalle nicht zum ersten Mal ins Grübeln, welche Kriterien denn eigentlich eine gute Compilation-CD ausmachen. Über die Auswahl der Songs wird wohl jeder Fan seine eigene Meinung haben; ich kann leider nur etwas über die anwesenden und so gut wie nichts über die abwesenden Songs sagen. Los geht es mit einem meiner Lieblingslieder ever: “First Of The Gang To Die” aus dem Album “You Are The Quarry”. Diese Scheibe von 2004 ist mit gleich allen vier Single-Auskopplungen vertreten - passt mir gut, weil es meine erste Mozzer-Platte war, passt aber auch insofern, dass sie für ihn ein grandioses Comeback darstellte.

Aber auch aus den Anfängen sind tolle Lieder dabei: “Suedehead” und “Everyday Is Like Sunday” aus dem 1988er Solo-Debüt “Viva Hate”. Mit “The Last of the Famous International Playboys” (nur als Single erschienen) und “Redondo Beach” vom Live Album “Live at Earl’s Court” sind aber auch etwas unbekanntere Stücke dabei. Vielleicht sind die 90er Jahre etwas schwach repräsentiert - wobei Moz in dieser Zeit auch nicht durchgehend so erfolgreich war. Einige der größeren Skandalsongs sind auch nicht mit dabei - anhand der eingangs erwähnten Menge an Songs, denen man dieses Prädikat zuschreiben kann, ist das aber auch kein Wunder. Und natürlich nicht vergessen werden dürfen die zwei neuen Songs „All You Need Is Me“ und die aktuelle Single „That's How People Grow Up“, die sich hervorragend einfügen und mich auch überzeugen können.

Als zweites Kriterium könnte die Reihenfolge der ausgewählten Songs sowie die Art der Übergänge dienen. Kann man glaube ich in aller Kürze als gelungen und unterhaltsam beschreiben. Bemerkenswert finde ich dabei erstens, dass die exponiertesten Stellen der Platte, nämlich der erste und der letzte Titel, an Songs aus “You Are The Quarry” vergeben werden (die Platte endet mit “I Have Forgiven Jesus”) und zweitens, dass die Übergänge zwischen den Liedern nicht in der simplen “Ich füge einfach zwei Sekunden Pause zwischen den Songs ein, dann passt das schon”-Manier gemixt wurden, sondern ein Lied durch sehr kurze Pausen und Fades zum nächsten quasi gleiten lassen.

Da kann man nur sagen: Gute Sache, die man Mozzer-Fans mit Geld nahe legen kann - obwohl die schönsten Compilations meiner Meinung nach die selbst gemachten sind. Menschen, die mit dem britischen Pop-Oberguru noch nicht soviel am Mut hatten, bekommen mit dieser Zusammenstellung definitiv einen großen Schub Neugier verpasst. Was dann aber auch mal längst überfällig war!

K. Haller
titel
01 First Of The Gang To Die | 02 In The Future When All's Well | 03 I Just Want To See The Boy Happy | 04 Irish Blood, English Heart | 05 You Have Killed Me | 06 That's How People Grow Up | 07 Everyday Is Like Sunday | 08 Redondo Beach | 09 Suedehead | 10 The Youngest Was The Most Loved | 11 The Last Of The Famous International Playboys | 12 The More You Ignore Me, The Closer I Get | 13 All You Need is Me | 14 Let Me Kiss You | 15 I Have Forgiven Jesus
Release: 08.02.08 bei Universal
|http://www.universal-music.de|
Künstler-Homepage: http://www.itsmorrisseysworld.com/
cover
Bewertung:
4/5