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"Allet is eins" von Toni Mahoni
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"Allet is eins" von Toni Mahoni

ekannt geworden ist Toni Mahoni durch seine Video-Podcasts. Wer schon mal einen Mahoni-Clip bei Spreeblick (http://www.spreeblick.com/category/toni-mahoni/) oder Focus Online gesehen hat, kennt Tonis Markenzeichen sicher schon. Für alle anderen: seine tiefe Stimme ertönt reibeisengleich in schönstem Berlinerisch; er erzählt der Nation etwas von seinem Wohnzimmer aus und singt von Kaffee, Bier, Zigaretten und Kohle. Diese Videos sind unterhaltsam und lustig - für meinen Geschmack in einer Liga, aber deutlich besser als z.B. “Dittsche”. Und jetzt hat der Mahoni Toni sogar eine CD aufgenommen, in einem richtigen Studio, mit einer Profi-Band und allem Drum und Dran.

Das hat auch durchaus seine Berechtigung. Zwar leidet Mahonis stärkste Waffe - die Authentizität - durch den Wechsel aufs rein akustische Medium, das nicht wie der Blog in seinem Wohnzimmer hergestellt worden ist. Man mag auch über die Inhalte geteilter Meinung sein - ist es wirklich nötig, dass Toni seiner Vorliebe für Fleisch ein eigenes Lied widmet? ”Ick mag ja dein Gemüse / Ick krieg bloß kalte Füße / Ick brauch paar Proteine / Sonst fall ick von der Schiene / Dat wolln wa beede nich, drum kommt Fleisch heut auf’n Tisch / Massentieranlagen müssen nich sein / Versprech dir auch ich koof anne Bio-Theke ein / Bitte, komm, sei mal jetzt nicht so jemein / So janz ohne Fleisch da jeh ick doch ein”. Entspricht irgendwo meiner Meinung - aber ich würde es jetzt nicht unbedingt anderen Leuten unter die Nase reiben. Oder seh’ ich da den Witz, die Selbstironie nicht?

Die Moralkeule (von wegen Bio-Theke) kommt bei Toni auch in “Ketten” (Amazon sticht den Buchladen nebenan aus, “Nordsee” verdrängt die kleinen Fischhändler, Ikea macht den Schreiner platt) auf die sympathische Art - und in diesem Fall auch mit der richtigen Portion Reflexion (”Irgendwann gibt es keine guten Sachen mehr” und ”Ignoranz ist die gerechte Strafe”). Das ist Musik, die eigentlich jeder hören kann, die jedem etwas sagen kann - so, wie es bei Songwriting halt meistens ist. Die Band, bestehend aus Pierre Robert, Mad Madunsky und Lofi Emulator macht da den kompetenten, sehr gefälligen Background.

Nun - ich persönlich weiß noch nicht, ob ich den Mahoni gut finde. Seinen Video-Blog mag ich, das steht fest, den kann man sich wirklich ansehen. Auf der Platte lässt er sich aber - wie die jeweils nur aus einem Wort gebildeten Titel schon nahe legen - über seine Lieblingsthemen aus. Dass man im Sommer gerne Radler trinkt, weil man sonst zu schnell besoffen ist. Dass Kaffee ein super Getränk ist, das jeder Mensch vom Büro im obersten Stockwerk bis zum Bau genießt. Dabei geht er nicht gerade sanft vor, wie das Beispiel “Zigarette” zeigt:

”In jeder Zigarette, da steckt ein bisschen Spaß
denn drin befind' sich Nikotin und ab und zu auch Gras
Det Nikotin is wichtig,
denn ohne knallts nicht richtig
Ein Minirausch nach jedem Zug,
ein wunderbarer Selbstbetrug

In jeder Zigarette, da steckt ein bisschen Krebs
denn drin befind' sich Kondensat wat dir die Lung' verklebt
Det Kondensat is scheiße
du stirbst daran ganz leise
Ein kleinen Tod mit jedem Zug,
ein wunderbarer Selbstbetrug

Jetzt muss man selber wissen, woran man sterben will
Im Altersheim is eh kein Platz, da wärs mir och zu still
Mit Hodenkrebs und Raucherbein, gehst du 'n paar Jahre früher ein
Brauchste nich im Heim verblühen, kannst schonmal in Himmel ziehn

Hinter jeder Zigarette, da steckt ein kluger Kopp
Der zeigt, dass er früh sterben will und nicht im Bett am Tropp
Det Leben is genauso hart, mit Nikotin und Kondensat
Hast mit jedem Zug ein kleinen Höhenflug”

Einen Mahoni-Text kann man schon mal zur Gänze zitieren, damit der Leser sich selbst ein Bild vom vorgebrachten Humor machen kann. Sich mit der Musik zu beschäftigen lohnt sich beim Toni eigentlich gar nicht; sie kann dem Genre kaum etwas Neues oder gar Impulse geben, will sie wohl auch gar nicht, sie will gefällig sein.

Ein durchwachsenes Debüt-Album. Der Wert von Mahoni als Musiker wird sich erst in der Zukunft zeigen, wenn er neuen Herausforderungen begegnet - und auf Tour, wenn seine Stärken wieder zum Tragen kommen: Improvisation, körperliche Präsenz und natürlich zahlreiche fabelhafte Anekdoten.

K. Haller
titel
01 Ketten | 02 Beziehung | 03 Kaffee | 04 Osche | 05 Methanol | 06 Fleisch | 07 Brandenburg | 08 Taube | 09 Kapitän | 10 Zigarette | 11 Armut | 12 Immer | 13 Sonne | 14 Radler | 15 S-Bahn | 16 Allet is eins
Release: 22.02.08 bei Roof Music
|http://www.roofmusic.de|
Künstler-Homepage: http://www.tonik.org
cover
Bewertung:
2/5