unge (alternative) Menschen, die in diesen Tagen erwachsen werden, fangen ganz gerne mal an Funk zu hören. Das ist prinzipiell ne gute Sache, allerdings will man aber auch nicht zusehen, wie der Anteil der Rotweintrinker in der Funk-Fangemeinde überhand nimmt. Da ist es wichtig, dass es Platten wie die von Chris Joss gibt. Platten, die zeigen, dass Funk auch mit Wodka-Energy funktioniert.
„Teraphonic Overdubs“ ist dabei definitiv nicht nur was für blasshäutige Plattendigger, sondern völlig club- und massentauglich. Anders ließe sich auch nicht erklären, weshalb ein Track von Chris Joss im Trailer von „Ocean’s 13“ verwendet wurde. Die Tracks sind catchy aber nicht weichgespült, straight aber nicht linear. Besondere Freude hat man… an allem! Chris Joss kann halt alles, da kann man nix hervorheben. Wunderbare Percussions und Drums mit viel Kick. Manchmal rascheln sie nur diskret wie bei „Fatality Strikes“, aber gehen dann auch mal völlig steil wie bei „Count The Daisies“, wo man nicht mehr weiß, ob das jetzt schon Drum’n’Bass ist oder nicht.
Daneben gibt es dann rund eine Million Instrumente. Das durchschnittliche Funk-Setting ist ja in aller Regel schon reichhaltig. Hier kommen dazu halt noch Flöten, Cembalos, Marimbas (das ist so was wie Xylophon, nur noch komischer) oder Sitars. Damit noch nicht genug, es gibt auch noch unterstützende elektronische Komponenten. Das macht dann Chris Joss (inklusive Produktion natürlich) auch so gut wie alles alleine. Je nach Einsatz der Instrumente wird dann auch die Songfarbe bestimmt. Orientalische Anleihen werden mit dadaistischen Pop-Gesangsamples geclasht wie etwa in „Summer Springs“. Es kann aber auch mal psychedelischer zugehen wie in „Get With It“. Fast immer dabei: Eine fulminante Orgel und ein erstaunlich drückender Bass.
Dabei geht es praktisch nie unter die 100 BpM-Grenze, mit viel Feuer jagt das Album durch die Tracks und bietet bei der großen Vielschichtigkeit mehr als man zunächst fassen kann. Im positiven Sinne! Denn so ist jeder Durchlauf ein Heidenspaß. Wer keine Lust hat über die ekligen Monate März und April in den Sommer zu kriechen, kommt an dieser Platte nicht vorbei. „Teraphonic Overdubs“ ist der Direktflug in die Sonne.










