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"Frieden im Krieg" von Madsen
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"Frieden im Krieg" von Madsen

adsen steht so ein bisschen in dem Ruf, dass man deren Platten ab der Volljährigkeit nicht mehr hören darf, weil man sonst als zurückgeblieben eingestuft wird. Man muss dann englische Bands hören, oder die „Alten Sachen“ von Tocotronic. Das ist aber alles Quatsch.

Madsen und ihr Erfolg sind im Grunde die logische Konsequenz daraus, dass die Hamburger Schule in ihrem eigenen Mikrokosmos versumpft und Pop-Rock-Bands wie die Sportfreunde sich gegenseitig an Niveau unterbieten. Dabei ist doch deutschsprachige Rockmusik, die halbwegs noch vorne geht und wo textlich was bei rumkommt, eine ziemlich gute Sache. Da kommt dann Madsen ins Spiel und es geht voll klar, die gut zu finden.

Das gilt insbesondere, wenn man die Vorzeichen des Albums kennt. Frontmann Sebastian sagt über das Album: „Ich bin müde geworden von den Texten der deutschen Indierockmusik. Da wird zu viel geklagt, gelitten und in Selbstmitleid gebadet. Da schließe ich uns mit ein. Es musste was Neues her.“ Kann mal wohl sagen! Es bleibt allerdings nicht bei dieser Erkenntnis, Madsen hat auch gehandelt. So konnte O.L.A.F. Opal für die Produktion gewonnen werden, der auch schon viel für The Notwist, Naked Lunch oder Juli getan hat. Mit ihm zusammen wurde dann auch die Kurskorrektur vorgenommen. Madsen wollte ohnehin wieder n bisschen wilder und dreckiger werden. Opal fand das gut und ermutigte Sebastian wieder mehr zu schreien. Opal hat außerdem ein kategorisches Streicher-Verbot ausgesprochen, das in Zeiten wo jeder Depp mit Streichern produziert mehr als angemessen ist.

So ist ein Album entstanden, das wirklich Feuer hat. Der Track „Nitro“ kommt mit einem wirklichen Monsterriff, der nicht nur tief, sondern auch unheimlich rau ist. Zusammen mit dem verzerrten Bass und den Shouts erreicht Madsen da eine Härte, die an System Of A Down heranreicht und Bands wie 4Lyn locker in den Schatten stellt.
Völlig hemmungslos wird dann die erste Single „Nachtbaden“ auch einfach genauso brachial arrangiert. Der Song ist eine Absage an die übliche Party-Abendgestaltung. Witzig ist dabei, dass der Song thematisch doch sehr dem Klassiker „Samstag ist Selbstmord“ von Tocotronic ähnelt, in dem es die Zeile „Geschunden durch den Ausgehzwang“ gibt. Bei Madsen heißt es: „Oh nein, schon wieder Samstag, ich hasse diese Ausgehpflicht“. Plagiat, Diss oder Zufall?
Aber auch die Fans des letzten Albums kommen auf ihre Kosten, denn es gibt auch das ein oder andere gemütliche Stück. Hervorzuheben ist dabei auf jeden Fall der Song „Vollidiot“, der ein wenig mit der Songästhetik der Soulballaden der 60er spielt. Weil Streicher verboten waren, mussten Bläser her. Das war eine gute Entscheidung. Nicht zuletzt deswegen, weil für den Bläserpart Micha Acher von The Notwist gewonnen werden konnte, der Song klingt ein wenig nach „Die Nacht in der ich starb“ von Tomte, nur dass hier keine Vokale vergewaltigt werden. Dabei zeigt Sebastian auch seine Texterqualitäten, denn er bleibt seiner neuen Prämisse treu, verständlicher und einfacher zu schreiben. Dabei bleibt – und das gilt tatsächlich für fast das ganze Album – der Drift in die Beliebigkeit aus. Vielmehr gelingt es, was eben guten Pop ausmacht: Mit kleinen Worten, Großes zu sagen.
In diesem Sinne ist Madsen doch den meisten deutschen Künstlern dieses Genres einen großen Schritt voraus. Wer Madsen nicht hört – der ist zurückgeblieben! Quod erat demonstrandum.

S. Krutzinna
titel
01 Ja oder Nein | 02 Nachbaden | 03 Nitro | 04 Vollidiot | 05 Du bist wie Du bist | 06 Grausam und schön | 07 Verschwende Dich nicht | 08 Liebeslied | 09 Astronaut | 10 Kein Weg zu weit | 11 Wenn der Regen | 12 Frieden im Krieg
Release: 07.03.08 bei Universal
|http://www.universal-music.de|
Künstler-Homepage: http://www.madsenmusik.de
cover
Bewertung:
4/5