aut, frech, infantil, chaotisch, penetrant, ehrlich, nervig, innovativ, quirlig – mit etwas mehr Bedenkzeit ließen sich etliche Attribute aufzählen, die dieser 7-köpfigen Combo aus Wales zugeschrieben werden können. Ein bunter, verrückter Haufen junger Leute, deren Musik genauso schräg ist wie die in den Songs besungenen Themen, die von Matheaufgaben bis zur Reise zur Fernbeziehung reichen.
Los Campesinos! treten auf ihre Art in die Fußstapfen der lustigen Australier Architecture In Helsinki. Harmonielehre und Popkonventionalismus werden über Bord geworfen, hier spielt jeder alles, möglichst gleichzeitig und möglichst lauter als die anderen. Das walisische Septett bedient sich einer enormen Instrumentenvielfalt: Hier wird in die Tasten gehauen, gefiedelt, getrommelt, an den Saiten gezupft und auf dem Glockenspiel rumgehämmert. Dazu wird gesungen, gekreischt, gebrüllt, Männer und Frauen, alles durcheinander, in niedlichem Akzent, der die Herzen jedes Insel-Englisch-Liebhabers höher schlagen lassen wird. – Klischee ade.
Was dabei herauskommt ist eine Platte, die irgendwie witzig ist und manchmal auch sehr sehr anstrengend, vielleicht sogar ein bisschen nervig. Aber das Konzept liegt klar auf der Hand, Los Campesinos!, zu deutsch die Bauern, wollen back to the roots, scheißen auf den ganzen Musikperfektionismus der Britpopper, scheißen auf das Indie-Erfolgsrezept der Libertines, der Strokes, packen die Geige aus, und verleihen dem Ganzen einen folkloristischen Touch, bäuerlich eben.
Und warum funktioniert sowas? Internet sei Dank. Wie schon so manche Kappelle, denken wir an die Arctic Monkeys, haben auch Los Campesinos! mit viel Glück und einer geschickten Strategie schon eine beträchtliche Fangemeinde um sich geschart. Ein richtig geposteter Link und der großzügige Umgang mit Gratis-Downloads haben auch bald die Aufmerksamkeit der Musikindustrie provoziert und so unterzeichneten Los Campesinos! im November 2006 bei dem Label Wichita, das u.a. Bloc Party oder Clap Your Hands Say Yeah zu seinen Schäfchen zählen darf.
Und nun kann der geneigte Hörer „Hold On Now, Youngster...“ dem Plattenspieler anvertrauen, auf dass dieser nicht vor Schreck den Löffel abgibt… „Hold On Now, Youngster...“ ist ein Platte mit erfolgversprechendem Konzept, das in seiner Umsetzung aber hier und da noch ein bisschen reifen könnte. Denn noch sind viele Melodien auf „Hold On Now, Youngster“ schlicht überreizt, zu quietschig und überladen. Der zweite Track mit dem wunderschönen Titel „Broken Heartbeats Sound Like Breakbeats” spiegelt dieses Tendenz der Platte gut wider: Einerseits textlich und kompositorisch eine super Idee, andererseits wird schon mit dem hysterischen Anzählen vor dem eigentlichen Einsetzen des Songs klar, dass hier Aspekte wie harmonischer Gesang und gelungene Mehrstimmigkeit scheißegal sind. So ist Los Campesinos!’ Zielgruppe wohl eher unter rebellierenden Teens zu finden, die ähnlich einem Punk-Revival die Ästhetik des Hässlichen schätzen. Trotzdem ist das bunte Septett irgendwie liebenswert und man darf ganz bestimmt gespannt sein wie es weiter gehen wird!











