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"Tägliche Leidenschaft" von Ruben Cossani
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"Tägliche Leidenschaft" von Ruben Cossani

olgendes mal vorstellen: Ein Mann ist extrem talentierter Musiker, bringt außergewöhnlich Produktions-Skills und Texter-Qualitäten mit, verschreibt sich mit ganzem Herzen der großen Popmusik, seine Songs werden von internationalen Größen gecovert und: Kaum jemand kennt ihn. Ein Ding der Unmöglichkeit? Nicht für Michel van Dyke.

Somit ist es auch kein Wunder, dass ich von Michel van Dyke das erste Mal in einer Zeitschrift über Musikproduktion gelesen hab und nicht in Spiegel. Da hatte er gerade ein im Übrigen überraschend großartiges Album mit Jasmin Wagner produziert. Nun – jetzt soll aber eben Schluss sein mit dem eigenbrötlerischen Reglerschieber und Musizieren.

Und wo findet man die besten Musiker? Na klar – auf dem Fußballplatz. Wer treten und trinken kann, kann in aller Regel auch musizieren. Das ist sicherlich keine Regel, die gänzlich ohne Ausnahmen auskommt, für Linksaußen Konrad Wissmann war das aber eben so der Fall. Und weil Leo Lazar gut singen und musizieren kann, war man mit ihm dann komplett und nannte sich Ruben Cossani.

Michels Handschrift erkennt man auch in jeder Note. Auch wenn „Tägliche Leidenschaft“ kein erklärtes Sixties- oder Chanson-Album ist, so merkt man eben doch, was Michel gut findet. Ein kleiner Schellenring oder ein schüchtern raschelndes Schlagzeug ist immer irgendwo im Hintergrund. Dabei ist das Album aber in jedem Fall sehr abwechslungsreich. Von der E-Gitarre bis zum Cembalo ist eigentlich alles dabei.

Inhaltlich widmet Ruben Cossani sich den großen Themen des Pop: Liebe, Verzweiflung, Glück und nochmal Liebe. Entgegen vorschneller Schlüsse: Bei keinem Song würde man sagen, dass das jetzt Einheitsbrei oder so wäre. Die Texte sind ganz und gar nicht austauschbar und schaffen es wirklich, sehr spezielle Situationen zu vermitteln. So zum Beispiel der Song „Ich kämpf mich in dein Herz zurück“, der wunderbar den Moment schildert, in dem ein um Liebe werbender Mann seine Resignation und Hoffnungslosigkeit zwar erkennt, sich damit aber nicht abfindet. Auch wenn wohl der Großteil der Songs eher unglückliche Momente thematisiert ist das Album überhaupt nicht depressiv.

Der einzige Makel des Albums ist seine Perfektion. Wie Robin Williams als Sean Maguire im Film „Goodwill Hunting“ erklärt ist liebenswert, was individuelle Eigenarten und vermeintliche Schwächen hat. Der meinte da zwar Frauen, aber das lässt sich auch auf Musik übertragen. Die kleinen Ecken und Kanten sind es, an denen man hängen bleibt. Und die hat das Album eben nicht so recht. Hier da mal eine Dissonanz oder ein rhythmisches Stolpern wären viel Wert. Aber die sehr häufigen Paarreime und die metrisch sehr glatten Verse fliegen einfach so vorbei. Sehr angenehm ohne Zweifel, aber eben nicht so, dass man sagt. Crazy – das muss ich die nächsten drei Monate jeden Tag hören. Erschwerend kommt hinzu, dass sich Ruben Cossani auf allen Fotos beinahe in einem Corporate Design präsentiert – irgendwie sehen sich die drei mit Seitenscheitel und grauem Anzug doch sehr ähnlich. Etwas mehr Persönlichkeit würde da der Band in Sachen Authentizität gut tun und den Projektcharakter in den Hintergrund rücken lassen.
Dennoch ist das Album aber doch ein Schatz in treffender Poetik und großartigen Arrangements. Aber langfristig Freude am Album werden wohl in erster Linie Produktions-Nerds haben, die den weichen Klang der Standtom feiern, und frankophile Schauspieler, die Sinn für heiter-romantische Songs haben. Dennoch: Ein musikalisch ohne Einschränkungen empfehlenswertes Album!

S. Krutzinna
titel
01 Sinnloses Leiden | 02 Haut | 03 Einmal in 10 Jahren | 04 Besser jetzt | 05 Ich kämpf mich in dein Herz zurück | 06 Mitgefühl | 07 Drüberschlafen | 08 Wir wollten einmal | 09 Halbes Herz | 10 Erinnern | 11 Romy Schneider | 12 Zwillingsbruder | 13 Acapulco Airport | 14 Piroschka | 15 Ausgerechnet Annika
Release: 29.02.08 bei 105 Music
|http://www.105music.com|
Künstler-Homepage: http://www.rubencossani.de
cover
Bewertung:
4/5