edes Album steckt mit seinen Tracks gewisse Grenzen ab, die das Album definieren. Damit wird auch ein Raum geschaffen, in dem sich der Hörer zu Recht finden muss. Autechre sind unbezweifelte Meister der musikalischen Architektur dunkler Klanggewölbe und amorpher Labyrinthe, die sie mit zerbrechenden Algorithmen zusammenkitten. Doch das neunte Album will zuviel.
Autechre, als einer der Vorreiter moderner abstrakter Musik, hat mitgeholfen eine Basis zu bauen, von der aus sich eine Vielzahl weiterer Subgenres entwickelt hat. Um den zwar ruhmreichen aber ebenso staubigen Ruf des alten Warp-Haudegens loszuwerden, scheint es mir als wollten Autechre mit „Quaristice“ gleich in ganzen vielen Bereichen zeigen, dass sie noch nicht zum alten Eisen gehören. Das Ergebnis sind dann 73 Minuten auf 20 Tracks und jedes Stück stößt eine neue Tür auf. Roter Faden? Eher nicht so.
Das Genre-Hopping beginnt mit verträumten Klangspielereien wie in „Altibzz“ oder dem fein ziselierten „Simmm“, das fast an die ostasiatisch-geprägten Werke von Shugo Tokumaru erinnert. Dann gibt’s aber auch die wirklich entarteten Glitch-Tracks wie „Steels“, bei dem die Bassdrum ein total unvorhersagbares Eigenleben zu führen scheint – von den Clicks und Cuts mal ganz zu schweigen.
Während „Steels“ aber gerade durch den Bass echt aufregend bleibt, verläuft sich „Fol3“ in seiner Willkür in der Beliebigkeit. Den Kontrast von tiefer, technoider Roughness und noiziger Langeweile gibt’s sogar bei „The Plc“ innerhalb eines Tracks.
Auch verrückte Midi-Spielereien finden ihren Platz in mehreren Tracks. „IO“ knurrt drei Minuten lang vor sich hin, während im Hintergrund simple Midi-Loops kreisen. „bnc Castl“ klingt wie ein Atari-Spiel auf Speed.
Daneben gibt es dann natürlich noch einige etwas greifbarere Stücke, die allesamt sehr gelungen sind, so auch „fwzE“ oder das futuristische „90101-51-1“.
Am besten gefällt jedoch die Hand voll sehr finsterer Tracks. „Palelel Suns“ ist unheimlich düster. So klingt es vermutlich, wenn man in einem verschlüsselten rar-Archiv auf einem vergessenen Server eingesperrt ist. „rale“ als bestes Stück des Albums ist ebenfalls sehr beklemmend, geradezu apokalyptisch.
So würde ich im Grunde schon 80 Prozent der Tracks als sehr gut befinden. Insbesondere weil man praktisch bei jedem einzelnen Sound das Gefühl hat, dass Autechre ihn genau so an genau der Stelle haben wollen. In diesem Sinne klingen die Tracks jeweils für sich genommen schon sehr ausgereift und in ihrer Konstruiertheit authentisch und abgeschlossen. Auch gelingt es Autechre an verschiedenen Stellen wirklich Maßstäbe bei der Produktion zu setzen – also die eigentlich uncoole IDM mit einer Soundästhetik zu inszenieren, die mindestens up-to-date ist.
Allerdings sind 20 Tracks hintereinander noch kein Album. Ich sehe schlicht keinen roten Faden. Ich bin mir sicher, dass Autechre in ihrer eigenen musikalischen Deutung einen roten Faden sehen – aber hören kann man ihn nicht.










