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"ich ist ein anderer" von Axl Makana
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"ich ist ein anderer" von Axl Makana

“ein Herz, mein Herz schlägt so laut / als ob es sprechen will / Ich hör es mit dem Bauch / im Kopf ist es ganz still”
Das ist eine der ersten Zeilen auf Axl Makanas Solo-Debüt “Ich ist ein anderer” – und sie macht schon klar, wie man Makanas Musik am Besten aufnimmt: Mit dem Körper. Notwendig wird das zum Einen durch die fetten Reggae-Grooves und Dub-Bässe, die reichlich zum Einsatz kommen. Man muss aber auch fragen: Würden die Texte und Melodien den Kopf nicht zu sehr langweilen?

Glücklicherweise bekommt man durch die reiche Produktion von Kraans de Lutin soviel Zucker in den Arsch geblasen, dass man gar nicht erst in Versuchung kommt den Kopf einzuschalten. So wird der gefällige Beat in “on the run” z.B. durch Bläsersätze und Violinen illustriert; Makanas Stimme begleitet sich gerne selbst im Background-Gesang. Der rote Faden versucht dabei den “echten” Instrumenten und Stimmen weitgehend ihre reale Qualität zu lassen, unterwandert diese aber immer wieder durch die akzentuierte Eingliederung in den elektronischen Beat. Was sich da auf ein flüchtiges Hinhören wie eine Geigenstimme in einer Band angehört hat, klingt dann bei genauerer Betrachtung ziemlich nach Konserve und Beatschmiede. Der Einsatz elektronischer Stilmittel beschränkt sich aber auf altbekannte Popmechanismen und wird so ausschließlich als Kosmetik wahrgenommen.

Makanas Songwriting vertraut Melodien, die so eingängig sind, dass es schon fast wehtut. Ich muss sagen – nach ein paar Durchläufen tut es wirklich weh. Es wird sicher so seine Zeit dauern, bis die klebrigen Ohrwürmer “welcome to makana”, “das ES möglich ist” oder “ich ist ein anderer” wieder aus den Gehörwindungen verschwunden sind (Tipp: Ich spüle mit einem großen Schwall kristallklaren Technos nach). Die gepresste, an Curse erinnernde Gesangsart des ehemaligen Mutabor-Frontmanns hilft da ordentlich mit.

Soweit kann man festhalten: “ich ist ein anderer” hat vom Produzenten eine radikale Schönheits-OP bekommen und kann einen schon beim zweiten Hören nerven. Umso eigentümlicher wird die Platte dadurch, dass einige Lieder vom Text her absolut überzeugen können. Das Thema ist ein eigentlich ziemlich simpler Selbstfindungsprozess (von “welcome to makana” bis “Abschied”) – das Lied “ich ist ein anderer” ist da die etwas anspruchsvollere Ausnahme. Ob es dem Berliner, der gerne und häufig nach Äthiopien reist, wie von mir vermutet um die gespaltene Existenz eines Immigranten geht oder ob er auf seiner Ego-Erkundungstour auch mal an psychische Krankheiten wie Schizophrenie gerät – hier kann man tatsächlich mal ein wenig mitdenken. Bei direkten Aufforderungen wie “mach was du denkst” geht das ganz überraschend nämlich überhaupt nicht.

Mir persönlich fällt es schwer, einen emotionalen Zugang zu dieser Platte zu finden, die das Herz mit dem Holzhammer ansprechen will. Bei der Lektüre von Axl Makanas „Tourtageblog“ kommt die Idee: Ein wenig von der in Äthiopien wachsenden, psychoaktiven Wurzel KAT kauen und das Bewusstsein mal ausschalten. Falls die Realität zu heftig zurückschlägt: In “zum glück gibt’s schokolade” empfiehlt Dr. Makana schon die Ersatzdroge.

Nachtrag

Sehr geehrter Herr Makana,
wenn Sie Ihre im Bonus-Track “schlaf ein” angekündigte Drohung verwirklichen, mich des Nachts als “Traumprinz” zu besuchen, werde ich zunächst laut schreien und sie dann wegen sexueller Nötigung bis aufs letzte Hemd verklagen!

Schlafloser Gruß,
Kilian Haller

K. Haller
titel
01 welcome to makana | 02 das es möglich ist | 03 on the run | 04 ich ist ein anderer | 05 mach was du denkst | 06 was ist liebe | 07 zum glück gibt's schokolade | 08 oh wo | 09 vielleichter | 10 abschied
Release: 21.03.08 bei Stock & Stein
|http://www.stockundstein-musik.de/|
Künstler-Homepage: http://www.makana-movement.de/
cover
Bewertung:
2/5