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"Diary Of An Afro Warrior" von Benga
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"Diary Of An Afro Warrior" von Benga

s wurde auch verdammt Zeit für ein neues Album aus dem Dubstep-Tempel Tempa. Zuletzt erschien 2006 das Album von Skream, der damit Geschichte schrieb. Keine leichte Aufgabe also für Benga daran anzuknüpfen, könnte man meinen. Doch Bengas Innovationsfreude und Leichtigkeit im Umgang mit den schweren Bässen übertrifft alle Erwartungen.

Benga wird wohl eher wenig Erfolgsdruck gespürt haben. Kaum ein Player in der Dubstep-Szene ist tiefer in dem jüngsten Gewächs der Clubkultur verwurzelt als er. Schließlich zählt er zu den Begründern der Londoner Bass-Eskapaden und legte die ersten Grundsteine dazu bereits im Alter von 14 Jahren. Weiterer Grund keine Angst vor dem Schatten Skreams zu haben, ist sicherlich die Tatsache, dass die beiden seit den Kindertagen eng befreundet sind.

Nun ist Benga Anfang 20 und nach langer Zeit des Herumhängens im Süd-Londoner Croydon ist das Album „Diary of an Afro Warrior“ endlich fertig. Über das Album kann man sich auch wirklich freuen, da bloß einer der 14 Tracks vor Albumrelease auf Vinyl erschienen ist – oftmals sind Dubstep-Alben nur eine Zusammenfassung der letzten 5 Singles plus zwei CD-only-Zugaben.

„Crunked Up“ erschien bereits im Frühjahr 2007 und ist wirklich ein Brett mit seinen Claps über der weichen Bassline und dem drückenden Wummerbass in den anderen Parts. Das nächste große Ding ist „Night“, das definitiv den Clubsommer beherrschen wird. Die Dubstep-Hymne ist das einzige Feature des Albums und mit Coki hat sich Benga da auch gleich einen guten Mann geangelt – der es übrigens auch nicht lassen konnte, den Track schon auf seinem Remix „Dubstep Allstars Vol. 5“ zu veröffentlichen. Den dritten Monster-Track gibt es mit „26 Basslines“. Tonnenschwere Basslines wummern mit irrsinnigem Tempo und erstaunlicher Leichtigkeit durch den Raum. So bucht man Dauerkarten in DJ-Playlists.

Kräftig nach vorne geht’s auch in „Zero M2“, dem Opener des Albums. Der Tracks läuft sich allerdings die ersten zwei Minuten völlig überraschend mit Downtempo warm, der – wäre nicht die etwas sattere Bassline – beinah von einer der Platten aus Wien stammen könnte.

Dieser Überraschungen finden sich noch Einige auf „Diary of an Afro Warrior“. Besonders die Techno-Anleihen fallen auf. „B4 The Dual“ kann stellenweise schon fast als Tech-House bezeichnet werden. Eine elektronische Bläserline, die am ehesten noch nach Klarinette klingt, bringt dabei jedoch auch wieder karibische Wurzeln in den Track. „E-Trips“ ist ebenfalls sehr technoid: Harter Kick und viel Drive sorgen für eine ungewöhnlich Straightness. „Pleasure“ ist fast schon so eine Art Happy-Deep-House und „The Cut“ kommt mit einer gänzlich unverträumten Aggression, die man eher vom Drum’n’Bass kennt.

Daneben gibt es freilich noch einige Tracks, die die Dubstep-Wurzeln würdigen. Dabei beschränkt sich Benga aber nicht darauf, Dub in seiner oldschool-Lethargie aufleben zu lassen, sondern bietet Future-Dub-Arrangements vom Feinsten, wie in „Someone 20“, „Emotions“ oder „Loose Synths“, der in einer gewisse Ambient-Affinität ein bisschen den Kreis zum Downtempo-Opener schließt.

Das Bestechende an dem Album sind zwei Besonderheiten. Bisher haben praktisch alle Dubstepper der ersten Stunde sich an Dubstep gehalten und sind von dieser gemeinsamen Linie kaum abgewichen. Das ist ja auch cool, weil diese Linie auch erstmal da sein musste um einen Referenzpunkt zu haben. Benga bricht auf zu neuen Ufern, schafft es aber, dass die Tracks einen klaren Dubstep-Flavour behalten, obwohl Struktur und Klangästhetik manchmal zum Beispiel technoid sind. Das macht dann Dubstep zu einer Art metaphysischer Idee, einem Prinzip, dass alles musikalische Schaffen durchdringt, auch wenn es nicht ausgewiesener Dubstep ist. Natürlich passiert das schon in erster Linie mit der Bassline, die eben signifikant ist, aber es geschieht unauffällig. Dies gibt Dubstep die Perspektive, aus den etwas engen Grenzen ausbrechen zu können und macht Dubstep somit längerfristig zukunftsfähig.

Der zweite Punkt hängt damit etwas zusammen. Die Tracks haben alle eine erstaunliche Leichtigkeit. Man muss nicht immer an rollende Panzerbataillone denken; viele Tracks sind trotz massiver Bassline ganz luftig. Dennoch gelingt es, die Deepness nicht völlig aufzugeben. Überall finden sich „Untiefen“, in denen die Weite und Melancholie schlummert. Dabei wird die Musik aber überhaupt nicht erdrückend, sondern bleibt ein mächtiger Clubspaß – und darum geht’s letztlich nun mal. Danke, Benga!

S. Krutzinna
titel
01 Zero M2 | 02 Night | 03 B4 The Dual | 04 E Trips | 05 Someone 20 | 06 Light Bulb | 07 Crunked Up | 08 Go Tell Them | 09 The Cut | 10 Emotions | 11 3 Minutes | 12 Pleasure | 13 26 Basslines | 14 Loose Synths
Release: 20.03.08 bei Tempa
|http://www.tempa.co.uk|
Künstler-Homepage: http://www.myspace.com/bengabeats
cover
Bewertung:
5/5