eine drei Jahre ist es her, dass The BossHoss mit ihrem ersten Album auf den Plan der deutschen Musiklandschaft traten. Das erste Album „Internashville Urban Hymns“ erreichte Gold-Status und der Siegeszug der Berliner Country-Rock’n’Roller nahm seinen Lauf. Bei einer so fulminanten Liveband wie The BossHoss muss dann irgendwann auch ein Live-Album sein. Here it is.
Obwohl das Live-Album den Titel des 2007er Albums „Stallion Battalion“ trägt und ein Mitschnitt eines Konzertes in Köln ist, das während der Stallion Battalion-Tour stattfand, kommen ältere Tracks nicht zu kurz. Knapp die Hälfte der gut 20 Songs ist vom aktuellen Album, sechs Stücke sind vom zweiten Album „Rodeo Radio“ und vier vom Debütalbum. Als kleine Zugabe gibt es zwei bislang unveröffentlichte Stücke.
Auch das Verhältnis zwischen Coverstücken (The BossHoss haben anfangs fast nur gecovert) und eigenen Kompositionen ist völlig ausgeglichen. Herausragende Tracks sind natürlich „Hey Joe“, das schon auf „Internashville Urban Hymns“ erschien, ursprünglich aus den 1960ern stammt und bisher insgesamt über 50 Mal gecovert wurde – von Künstler wie Joe Cocker, über Bodycount bis zu The Offspring. Auch der Swamp-Rock-Klassiker „Polk Salad Annie“, den Elvis einst spielte, macht unheimlich Spaß. Wo wir schon bei Elvis sind: Zweiter (Studio-) Bonustrack der Platte ist „Flaming Star“, der der Titelsong für den gleichnamigen Western gewesen ist, in dem Elvis himself die Hauptrolle spielte.
Wiederum dabei ist das Pharell-Cover „Drop It Like It’s Hot“, das nach der Runde durch den Rock’n’Roll-Fleischwolf nix mehr mit dem Original zu tun hat. Dennoch eine herrliche Interpretation, die nur die Frage offen lässt, wieso die Herren Boss Burns und Hoss Power dies zum Anlass nehmen, den natürlich gerade nicht anwesenden Snoop Dogg anzupöbeln. Aber das ist in dem Moment auch irgendwie egal.
Große Musikrevolutionen, die die Musikwissenschaftler dieser Welt erschüttern, darf man nicht erwarten – aber wieso auch. Die Jungs spielen ihren (Cowboy-)Stiefel runter und haben einfach einen scheiß Spaß dabei. Es wird zwar nicht viel gelacht auf der Bühne, aber doch immer wieder geschmunzelt – was beim konsequenten Englischsprechen von Nicht-Muttersprachlern auch nicht ausbleibt und sowieso viel mehr Rock’n’Roll ist. In Momenten wie dem Akustik-Arrangement von „High“, in denen dann auch mal ein bisschen gejammt werden darf, merkt man aber auch, dass hier nicht versoffene Motorradfahrer am Werk sind, sondern wirklich versierte Musiker, die mit viel Freude ihr Tagwerk bestreiten.
Wieso aber gerade diese Platte im heimischen Regal nicht fehlen darf, weiß jeder, der die Band schon mal live gesehen hat. Erst auf der Bühne geben The BossHoss alles und die Songs entwickeln sich vom flotten Präriewind zum alles erfassenden Hurricane. Somit sei hiermit auch wirklich jedem Interessierten geraten statt zur normalen Live-CD zur limitierten Deluxe-Edition mit DVD zu greifen, die das gleiche Konzert auch in Bilder zeigt. Die DVD ist zwar technisch kein Meilenstein und die Kameraführung nicht immer ganz professionell, aber es ist einfach großartig, wenn man sieht, wie Sänger Boss Burns auf seinem Barhocker durchdreht und die Kollegen in Feinripp-Unterhemden, Jeansjacken, Totenkopfringen und Cowboyhüten den Wild Westen nach Deutschland holen.










