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"The Chicago Project" von Matana Roberts
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"The Chicago Project" von Matana Roberts

ie neue CD der Jazzmusikerin Matana Roberts ist ihrer Heimatstadt Chicago gewidmet. Allerdings ist „The Chicago Project“ kaum mit der Stilrichtung „Chicago Jazz“ aus den 20er Jahren zu vergleichen. Heute geht es in der Musik deutlich freier zu. Mal schauen, wie viel Experimentierfreude das Ohr vertragen kann.

Die musikalische Tradition der Stadt Chicago reicht bis weit in das letzte Jahrhundert zurück: In den „Roaring Twenties“ spielten sich die Jazzgrößen wie Louis Armstrong, Bix Beiderbecke und King Oliver die Seele aus dem Leib, während das Publikum ausgelassen feierte und tanzte, darunter auch Gangster wie Al Capone. Die damals geltende Prohibition hatte keinen wirklichen Effekt auf die Trinkgewohnheiten der Bürger – getrunken wurde weiter, nur jetzt eben illegal. Das belebte die Geschäfte der Mafia und sorgte für frisches Geld in der großstädtischen Unterwelt, das diese wiederum gerne in Clubs und Bars investierte. Und den Soundtrack für all diese Unternehmungen bildete der Jazz, der das hektische, nervöse Treiben eines Tages in der Großstadt genauso verkörpern konnte wie die Einsamkeit und Anonymität des Einzelnen inmitten von Fremden. In den zahlreichen Nachtclubs der Stadt wurde so der „Chicago Jazz“ geschaffen – vor allem weiße Musiker versuchten, den wilden, ungezähmten New Orleans-Jazz der Afroamerikaner nachzuahmen und entwickelten dabei ihren eigenen Stil, der durch eine größere emotionale Zurückhaltung geprägt war.

Ihre neue CD „The Chicago Project“ hat die Saxophonistin Matana Roberts ihrer Heimatstadt Chicago gewidmet. Seitdem ist viel Wasser den Mississippi herunter geflossen; der Jazz hat zahlreiche Entwicklungen durchgemacht, und natürlich spielt eine moderne Saxophonistin wie Matana Roberts heute anders als damals ein Bud Freeman. Gerade Roberts ist für ihre sehr freie, geradezu explosive Spielweise bekannt, die sie auch hier wieder zeigt: Sie spielt expressiv, ist definitiv eher am wilden, freien Solieren eines John Coltrane orientiert als an dem zurückhaltenden Spiel eines Dexter Gordon oder Lester Young. Es wird viel experimentiert, auch ihren Mitmusikern an Drums, Gitarre und Bass lässt Roberts viel Freiheit: So finden sich z.B. verzerrte Gitarren genauso wie schnell gespielte Passagen. Jedoch ist es am Ende zu viel des Guten geworden, zu viel Freiheit, möchte man meinen: Wo Roberts und ihre Kollegen Spaß am Ausprobieren empfunden haben mögen, hat der Zuhörer Schwierigkeiten, den zerrissenen Lines zu folgen; schlimmstenfalls sind die Passagen schlicht und einfach schwer zu ertragen. Dass es auch anders geht, zeigen die Musiker allerdings auch, z.B. in „Birdhouse 1“ oder „Nomra“, in denen ihnen durchaus interessante Klänge gelungen sind.

Und so schließt sich der Kreis wieder zum guten alten Chicago Jazz: Dieser mag nicht mehr viel mit dem Freejazz einer Matana Roberts am Hut haben; letztendlich geht es jedoch um das, was den Jazz in seinem Innersten ausmacht und am Leben hält: Erneuerung und Innovation. Um diese bemüht sich Roberts, klingt dabei jedoch oft verkrampft und eben leider gar nicht innovativ, sondern laut und anstrengend. Ein wenig mehr Lockerheit hätte nicht geschadet. Vielleicht einfach mal wieder in eine Chicagoer Bar gehen und Whiskey trinken?

F. Haller
titel
01 Exchang | 02 Thrills | 03 Birdhouse 1 | 04 Nomra | 05 Love Call | 06 Birdhouse 2 | 07 South By West | 08 For Razi | 09 Birdhouse 3
Release: 21.03.08 bei Central Control International
|http://www.centralcontrol.co.uk/|
Künstler-Homepage: http://www.matanaroberts.com/
cover
Bewertung:
2/5