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"Passin' Through" von Inverse Cinematics
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"Passin' Through" von Inverse Cinematics

oole, clubtaugliche Jazz-Mucke kommt ja eigentlich entweder aus Brighton oder aus verrückten Melting Pots wie New York oder Paris. Die Musiker haben dann immer so ultra-multi-kulturelle Backgrounds, Schlagzeug-Studium und Crack-Vergangenheit. Nicht so Danilo Plessow aka Inverse Cinematics aus Stuttgart. Der ist ganz normal. Auch wenn „Passin’ Through“ nach Crack, großartigen Beats und sehr viel Jazz klingt.

Trotz des zarten Alters von 22 Jahren (andere Leute spielen da noch mit Lego) blickt der junge Schwabe auf ein bereits vierjähriges, fruchtbares Schaffen zurück. Die erste Single kam raus, dann erschienen EPs, dann wurden die EPs immer länger, dann kamen Remixes für Ninja Tune und Raw Fusion. Da muss dann einfach irgendwann ein Album sein. Dass sich Danilo damit Zeit gelassen hat, hört man „Passin’ Through“ deutlich an, das Album klingt nicht weniger ausgereift als Werke von mutmaßlichen Vorbildern wie DJ Vadim oder Amon Tobin.

Gerade die erste Hälfte des Albums klingt erstaunlich nach Ninja Tune, wenn auch mit einem individuellen Downtempo-Einschlag. Das jazzige Intro hat genau den gleichen avantgardistischen Hip-Hop-Flavour wie die DJ Vadim-Schrulligkeiten. „Detroit Jazzin’“ erinnert in seinem rumpeligen Schlagzeug-Beat herrlich an die flotteren Tracks der Xploding Plastix, wobei hier durch soulige Gesang-Samples noch eine afroamerikanische Note hinzukommt. Müsste man „Passin’ Through“ mit einem Begriff beschreiben, würde man wohl schon NuJazz wählen, aber man merkt der Musik ebenfalls ständig an, dass Danilo die Wurzeln der heutigen Musik extrem wichtig sind – er ist eben ein Vollblut-Platten-Digger. So ist ein leicht asynchrones und dadurch natürliches Fingerschnippen Hauptbestandteil des Beats im Titeltrack „Passin’ Through“. Der Track ist allerdings trotz vorsichtiger Scratches etwas lethargisch. Die von den Scratches erzeugte Hip-Hop-Laune wird im Folgetrack durch Oldschool-Raps von Jebidiah Pinnell weiter befriedigt.

Man merkt – die Tracks werden irgendwie verknüpft. Tatsächlich geht es Danilo nicht darum einen bestimmten Style durchzuziehen, vielmehr möchte er seinen eigenen musikalischen Werdegang mit dem Album nachempfinden. Somit wird es dann folgerichtig in den weiteren Tracks elektronischer. „Calm Sea“ klingt in seiner technoiden Rauchigkeit ein wenig nach Daedelus (wieder Ninja Tune!) und auch die vercrackte Traumhaftigkeit des Stückes verstärkt diesen Gedanken. „Sundrops“ und „Sambatime“ mit einmal schön groovigem Schlagzeug und lockeren Läufen über Snare und Toms und beim anderen Track breiter dreckiger Bass und rasanter Samba-Beat bilden die fulminante Mitte des Albums.
Dies geschieht allerdings nicht ohne einen kleinen Abstecher in die Trip-Hop-Welt mit „The Black Verse“, der nicht nur durch seine Spoken Words an die frühen Platten von Jon Kennedy erinnert.

Dem jungen Schwaben liegt jedoch ein anderer Track besonders am Herzen: „Mein ganzes Herzblut steckt allerdings in „Interplanetary Motivation“, weil ich mich am intensivstem mit diesem Track auseinandergesetzt habe. Er ist zeitlos und träg sehr viele Stimmungen auf einmal in sich“. Den Worten zu dem – wie der Titel schon verrät – recht sphärischen Stück kann ich dann auch nichts hinzufügen.
Das Album schließt, natürlich, anders als es angefangen hat. Deep House-Sound bestimmt die Titel „Don’t Give Up“ und „The Rise And Fall“, womit das Album allerspätestens seinen Anker in die Clubs geworfen hat.

Insbesondere durch das umsichtiges und respektvolle Sampeln und das ausgereifte Rhythmusgefühl entsteht mit „Passin’ Through“ eine Platte die auch ohne den Debüt-Bonus aufrecht neben Veröffentlichungen der großen Platzhirsche international bestehen kann und wird.

S. Krutzinna
titel
01 Somethin' New (Intro) | 02 Detroit Jazzin' | 03 Passin' Through | 04 Take It Back To 86 | 05 Calm Sea | 06 Sundrops | 07 The Black Verse (Interlude) | 08 Sambatime | 09 Interplanetary Motivations | 10 Don't Give Up | 11 Get Mellow One More (Outro) | 12 The Rise And Fall (Bonus)
Release: 14.03.08 bei Pulver Records
|http://www.pulver-rec.com|
Künstler-Homepage: http://www.myspace.com/inversecinematics
cover
Bewertung:
4/5