oilà: Das dritte Album von Merz, dem Weltenbürger, der ungefähr so viele Musikerkollegen und -freunde hat wie kreative Einfälle. Nach „Merz“ und „Loveheart“ beweist Conrad Lambert erneut kompositorisches Fingerspitzengefühl und schöpferische Ideenvielfalt und bewegt sich auf „Moi Et Mon Camion“ weiter auf dem Pfad des Elektropop.
Diesen hat Merz schon 2006 beschritten, als er seinem Debüt „Merz“ ein weitaus ruhigeres und besonneneres Album hat folgen lassen. „Loveheart“ ist zärtlich, impulsiv und melancholisch. Die freakigen Samples, die auf dem Debüt noch als unangepasste Querulanten den Hörflow unterbrachen, wurden weitestgehend eliminiert. „Loveheart“ und „Moi Et Mon Camion“ sind glatt, angepasst, die Unregelmäßigkeiten nivelliert. Trotzdem bestechen auch die beiden jüngeren, poppigen Scheiben mit einer Fülle an Instrumenten, die uns feine und vielschichtige Melodien bescheren.
Und auf „Moi Et Mon Camion“ sprechen zudem ganz viele verschiedene Stimmen zu uns. Tiefe Stimmen, Sopranstimmen, elfenhafte Backgroundgesänge, es flüstert und raunt – fast wie bei Björk. Und immer wieder zieht Conrad Lamberts eigene charismatische Stimme den Hörer in ihren Bann. Eine Stimme, die vielleicht so einzigartig und unverwechselbar ist wie die von Tom Waits und die so gar nicht zum Äußeren des sympathischen Kosmopoliten passen will.
Seit rund 10 Jahren musiziert Merz, der sich derweil im englischen Bristol niedergelassen hat. Und innerhalb dieser Schaffensphase hat er seinen Stil unabhängig von allen Trends sich entwickeln lassen. Auf „Moi Et Mon Camion“ findet sich kein Disco-tauglicher Hit – diese Songs handeln von Isolation und Zweisamkeit, von der Heimat und der Fremde, sie verknüpfen Abstraktes und Konkretes:
how lonely life can be / when you can’t settle or find peace / when you’ve a map but you own no key / when you’ve out stayed every single place / no one’s got the time or space / you packed your things again / packing up again / moving on again … Basques need a place / the Irish need their place / I need a place / everybody needs some place / but when the wind blows / you must up your anchor and go (Moi et Mon Camion).
Eine Platte für Zweifler und Sentimentalisten, für Nachdenker und Lebenskünstler, für Unglückliche und Glückliche. Eine wunderschöne Platte, die unserem Leben den Spiegel vorhält und uns Dinge erklärt, die wir vielleicht noch nicht wussten, vielleicht aber doch. Eine Platte, die uns in fröhlichem Moll Lust auf den Sommer macht. In manchen Welten gibt es keine Grenzen.










