errückte Balkan-Musik hat sich mittlerweile vom Geheimtipp zu einer kleinen Institution in der Musiklandschaft gemausert. Dennoch gibt es derzeit nur wenige bekannte Künstler, was wohl auch daran liegt, dass die meisten Bands nicht um jeden Preis eine steile Karriere anstreben. Das Label Ipecac verhilft nun einer dieser Bands zu weltweiter Aufmerksamkeit. Gefunden wurden Farmers Market in Norwegen.
Dabei kann man jedoch nicht gerade von einem Newcomer sprechen. Die ursprünglich bulgarischen Farmers Market veröffentlichen mit „Surfin’ USSR“ bereits ihr drittes Album, wobei das letzte Release schon acht Jahre zurückliegt und man außerhalb Norwegens ihre ersten beiden Platten praktisch nicht bekommt. Tatsächlich sind Farmers Market sogar schon seit den frühen 90ern aktiv und haben bereits 1995 ein Live-Album veröffentlicht.
Da wird klar, dass die Band nicht den Sound von populären Kollegen, wie etwa der Balkan Beat Box, nachahmen will. So kommt „Surfin’ USSR“ auch sehr traditionell daher, was jedoch nicht heißt, dass man die Songs nicht feiern könnte. Das liegt vor allen Dingen an der unglaublichen Geschwindigkeit der allermeisten Songs, wie zum Beispiel in „Red Square Dance“, in dem man von Schlagzeug, Klarinette, Saxophon und Tabla-Trommeln mehr als schwindelig gespielt wird. Der Track ist überhaupt ein wunderbares Beispiel für die Verknüpfung verschiedener Genres. Ein Walking-Bass bringt eine jazzige Note ein, die Drums sind eher Polka, die Klarinette könnte auch aus einem Klezmer-Stück stammen. An anderer Stelle kommt auch eine E-Gitarre zum Einsatz, die für Rock’n’Roll-Stimmung sorgt. Dann gibt es aber auch Songs wie „Steroid Train Trip“, der mit fulminanten Banjo-Einlagen US-Country-Flavour bereithält.
Die slawische Folklore steht ja schon in der Tradition eher melancholisch zu sein und damit wird hier im Prinzip auch nicht gebrochen. Nur kommt zu einem ganz leichten melancholischen Grundton eben eine unbändige Freude am Musizieren, die in Anbetracht der enormen Fähigkeiten der Musiker auch mehr als angebracht ist. So entsteht in vielen Tracks eine herrlich ambivalente Stimmung. Der Track „The Dismantling of The Soviet Onion Made Us Cry” vereint beispielsweise fröhliche Ausgelassenheit mit ein klein wenig Wehmut.
Insgesamt ein ganz großartiges Album, das gerade uns leidgeprüften Deutschen vor Augen führt, dass traditionelle Volksmusik in anderen Ländern ziemlich super sein kann. Technisch spielt sich das komplette Album auf allerhöchstem Niveau ab – ein beeindruckendes Must-Have für jeden Balkan-Freund. Mit den besten Song-Titeln der Welt.










