rüher hab ich gedacht, die schwarzen Tasten auf dem Klavier bräuchte man nur, um in Moll spielen zu können. Die Trennung zwischen schwarz und weiß schien perfekt zum Stimmungsunterschied zwischen Moll und Dur zu passen. Der Bluesrock-Zweier aus Ohio, der unter dem Namen The Black Keys das fünfte Album “Attack & Release” veröffentlicht, heißt aber aus einem ganz anderen Grund so.
Erstmal: Ich hatte gar nicht so unrecht damals! Wenn man die Fingerchen vom Cis aufwärts auf die Ebenholz-Tasten drückt, erhält man eine astreine Fünftonskala in - Moll. “Black Keys” bezeichnet aber nach einem unter Schizophrenie leidenden Freund der Band Menschen, die einem nicht so richtig gefallen, denen man nicht trauen darf.
Ich würde das natürlich nicht schreiben, wenn er sich nicht so schön auf “Attack & Release” beziehen ließe. Fünftonleitern hört man vor allem im Blues; da sind The Black Keys zu Hause. Und trauen will man ihnen auch nicht so richtig - das hat wiederum mehrere Gründe. Da habe ich das Album ein paar mal nebenbei laufen lassen und konnte mich hinterher an kein Stück mehr erinnern. - Beim genauen Hinhören strömen die Songs aber wie Lava durch den Kopf und hinterlassen verbrannte Erde. Allein die Texte kann man sich wirklich auch mal so durchlesen. Die Platte beginnt im Opener “All You Ever Wanted”:
”You're just like time / Except you can feel the shame / All hands on deck, now / The sea is getting rough again / You see me out your window / Even when you close the blinds / And all you ever wanted / Was someone to treat you / Nice and kind”
- in dem Stil gruselt man sich durch das komplette Album, das mit seiner flimmernden Spannung einem unter großen Druck stehenden Dampfkochtopf gleicht. Der Deckel bleibt geschlossen bis es fast unerträglich wird.
Anteil daran hat auch Danger Mouse, über dessen gelungene Projekte vom “Grey Album” über die Gorillaz bis zu Gnarls Barkley ich wohl keine Worte mehr verlieren muss. Es spricht auf jeden Fall für den Erfolgsproduzenten, dass er sich dem Lofi-Credo der Black Keys mit Fingerspitzengefühl nähert. Dan Auerbach (Gitarre & Gesang) und Patrick Carney (Drums) verwarfen in der Vergangenheit schon mal komplette Aufnahmen aus einem so teuren wie noblen Studio - um im heimischen Keller neu anzufangen. Für “Attack & Release” gab es aber offenbar keinen analog-Zwang; ich kann mir bei einigen wenigen Stellen nicht mehr vorstellen, wie eine Band diese Songs 1:1 umsetzt.
Auch das macht dieses Album zu einem schweren Album. Mit der Gitarre kann man an einem heißen Sommertag einen Waldbrand auslösen. Elektrische Orgel, Querflöte und Trompete fachen das Feuer an und verbreiten es in alle Richtungen. Auerbachs Stimme löscht den Brand. Die Drums stampfen kräftig auf die Mischung aus Erde und Asche ein. - Hinterher war alles nur ein Traum in der schwülen Hitze.
Ohne Konzentration beim Hören ist “Attack & Release” aber nur Matsch. Wenn du aber bei der Sache bist, kann es dich in der Tat immer wieder packen und loslassen. Und wenn du richtig einsteigst merkst du: Die Bezeichnung passt nicht nur auf das Album als ganzes, sondern auch auf spezielle Songs; ja, sogar auf Riffs und einzelne Töne. Ich jedenfalls würde Auerbach und Carney nicht ohne Weiteres über den Weg trauen. Am Ende stecken sie nicht nur mit Danger Mouse, sondern mit dem Teufel persönlich unter einem Deckel.










