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"Sleepyhead" von Florian Horwath
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"Sleepyhead" von Florian Horwath

ch weiß nicht, wie vielen Menschen bewusst ist, dass Österreich einige tolle Export-Schlager in Sachen Pop-Musik hat. Einer davon ist Florian Horwath, der zwischen Berlin, Wien und der schwedischen Provinz Eindrücke sammelt und in frischen, euphorischen und tiefgründigen Popsongs luftdicht verpackt. “Sleepyhead” gekauft und ausgepackt, wirbeln sie mit mir durch die Wohnung.

Auf der Bühne ist Florian Horwath ein großer Mann mit lockigen Haaren, der seine Gitarre umarmt. Das Instrument lebt an seinem Herzen, er in einer eigenen Welt. Die sanfte Stimme fühlt sich in den höheren Tonlagen quietschwohl, ohne immer den richtigen Ton zu treffen. Es ist vielleicht ein bisschen fies, das gleich am Anfang zu sagen. Aber die Stimme ist ja oft das Zünglein an der Waage und Horwath hat nun mal eine Stimme, die man (Gutes oder Böses im Sinn) “besonders” nennen kann. Auf jeden Fall hält das unausgebildete Organ soviel Intimität und Emotionen bereit, dass es wirklich Interesse weckt - was ein unnötig herbei gecasteter Superstar bei mir noch nicht geschafft hat.

In “Sleepyhead” steckt eine ganze Menge von dem drin, was ein gutes Album ausmacht. Im Opener “Scandinavia” tritt Horwath breitschultrig in einen Pop-Diskurs mit seinem Kollegen Paul Kominek aka Turner ein. Der sang einst in einem wunderschönen Liebeslied die Zeilen ”I am autumn and you are spring / I am Norway and you are Spain”; Horwath spinnt die Idee mit Rumänien und Skandinavien fort und beendet das Gespräch mit der fröhlichen Zeile “We’re all from Scandinavia”. In den Refrains dazwischen versteckt er die Liebeserklärung so gekonnt in einem verträumt-genuschelten “I sha la la la la love you”, dass ich mich wiederum sofort in das Album verliebe.

Zumal dann auch noch DAS Kuschel-Duett des Jahres auf dem Fuße folgt. Für “Baby You Got Me Wrong” stellte sich Nina Persson ein - und das ist eigentlich auch nur logisch. Nicht nur, weil es eine Freude ist, wie die Cardigans-Sängerin mit rauchiger Stimme Horwaths Stil ergänzt; auch, weil der Österreicher schon länger in Perssons Heimat Schweden Freunde und Band (u.a. Cardigans-Mitgründer Magnus Sveningsson) gefunden hat. So fanden auch die Aufnahmen zu “Sleepyhead” in einer zum Studio umfunktionierten Scheune in Schweden statt.

Ich weiß nicht, ob sich der Ort, an dem auch Horwaths Debüt “We’re All Gold” eingespielt wurde, verändert hat. Die Aufnahmen jedenfalls haben definitiv ein anderes Level erreicht. Wir reden hier nicht von Songwriter-Kram im Sinne von “Ich setz mich hier mal mit meiner Akustik-Gitarre/meinem Klavier hin und erzähl euch was”. Die Songs sind randvoll mit anderen Instrumenten - ob nun Mundharmonika, Slide-Guitar, Saxophon, Percussions heraus sprudeln oder ob drum machine und Synthesizer den Song veredeln, Horwath kriegt sie alle unter einen Hut. Vielleicht liegt es am Produktions-Prozess: Fünf Tage aufnehmen, die Tracks vier Monate liegen lassen, Streicher-Arrangements schreiben - und eintüten.

Da kommen große Songs bei raus, ehrlich. Obwohl hier ganz klar melancholische Themen so heiß und euphorisch umgesetzt werden, liegt die Musik nicht schwer im Magen. Ideales Beispiel dafür ist das auf Samba-Rhythmen laufende “Dad You Have Faith In Me, And Yes, I Love You”. Die Strophe blickt in eine traurige Vergangenheit: ”You said I’ll never make it / You said someone must tell / You said that I am chasing a ghost / You said I’ll never make / You said I’ll go to hell / You said that I’ll be down there with most”. Der Refrain antwortet wahnwitzig: ”So I’ll sell my soul to the devil / So I’ll sell my soul to the sea / So I’ll sell to the devil / And the devil is me / Come on let’s sell our souls to the devil”. Ein anderes Beispiel ist das furiose “Waiting For The Rain”: Die Freude am Regen wird schon im Voraus gefeiert.

Der Mann hat seinen Nick Cave gehört (düsteres Storytelling in “Trailerpark”), darf mit dem grandios-spröden Purismus von Sophia flirten (“Oh If I Could Only”) und rockt auch mal mit einer Hymne los, wie man sie aus der Feder von Conor Oberst erwarten könnte (“Underneath the wind”). Diese Künstler sind eine Liga für sich, an deren Tür auch Horwath begeistert kratzt.

K. Haller
titel
01 Scandinavia | 02 Baby You Got Me Wrong (with Nina Persson) | 03 Dad You Have Faith In Me, and Yes, I Love You | 04 Yeah Yeah Yeah Yeah | 05 Sleepyhead | 06 Trailerpark | 07 Waiting For The Rain | 08 The River | 09 The Great Destroyer | 10 Oh If I Could Only | 11 Underneath The Wind | 12 Because I Love You | 13 Baby You Got Me Wrong
Release: 18.04.08 bei Roof Music
|http://www.roofmusic.de|
Künstler-Homepage: http://www.florian-horwath.com/
cover
Bewertung:
5/5