ie Platte von Son Of Dave würde ich niemals wegen irgendeiner Rezension kaufen. Ein alter Mann, der alleine mit Beatbox (geht das mit schrumpeligen Händen?) und lauter Percussion-Gedöns Musik macht. Das ist so ziemlich das Gegenteil von cool. Aber scheiße! Der Mann hat einfach den verdammten Blues!
Ich kann mir das gut vorstellen, wie eine junge Ethnologie-Studentin mit braunen Haaren und leuchtenden Augen erzählt: „Kennst du die Crash-Test-Dummies? Der Son Of Dave war da auch früher dabei! Und als der dann danach mit den Solo-Sachen angefangen hat, war der sogar mal Vorband von Supergrass! Und jetzt macht der alles alleine! Mundharmonika! Wie heißt das, mit so Geräuschen machen? Beatbox! Und Tamburin spielt der auch und Gitarre und Klavier und Orgel und Cello und der stampft sogar so lustig den Takt mit den Füßen. Der gibt echt alles“. Realtalk: Fände ich einfach nicht geil.
Aber lässt man mal die Hippie-Schwärmerei beiseite offenbart sich wirklich eine wundervolle Musik. „Lover Not A Fighter“ ist sehr groovig, in seinen melodischen, gefühlvollen Parts tatsächlich berührend und der Gesang, der sich irgendwo zwischen Spokenword im Country-Style und Oldschool-Rap bewegt, ist so herrlich gleichgültig lässig.
Überhaupt ist eigentlich das Großartige an der Platte, dass Son Of Dave sich echt nicht anbiedert, sondern eher bewusst drauf scheißt, ob irgendwen interessiert, was er da macht. „Your Mercedes“ ist zum Beispiel so ein Track, der wirklich sehr an Tom Waits erinnert, sowohl stimmlich aber auch in der hörbaren Verachtung gegenüber allem.
Verachtung ist generell ein inhaltliches Thema. Wie man sich denken kann, bedankt sich der Track „Nike Town“ nicht für die bunte Vielfalt an Air Force One-Modellen. Ansonsten fallen auch die meisten Themen auch in das Kapitel „ein knurriger Mann kotzt sich aus“, wie man es von besagtem Waits oder meinetwegen auch Charles Bukowski kennt.
Und schließlich muss man dann doch trotz Allem anerkennen: Der Mann scheint wirklich im Blues zu leben. Dieser weiße Bourbon-Blues, den frustrierte alte Männer in kaputten Anzügen am Tresen vor sich hin grummeln, bevor sie betrunken vom Barhocker fallen. Ich wette, live ist der Son Of Dave eine Erleuchtung. Und die CD wird jetzt trotz Rezension gekauft.










