s gibt diese grauen Tage, an denen der Regen gegen die Fensterscheiben peitscht und nur ein tiefer Blick ins Whiskey-Glas mit Bushmills Malt Trost spendet. Dann überlegt man sich im Stillen, dass die Dropkick Murpheys und damit der Folk-Punk allgemein auch nicht mehr das sind was sie mal waren und eigentlich kein Nachfolger in Sicht ist. Stimmt nicht. The Go Set!
Schon komisch, dass die coolen Irish-Folk-Punk-Bands gar nicht aus Irland kommen. Die Dropkick Murpheys sind ja bekanntermaßen aus Boston, The Go Set kommen vom anderen Ende der Welt: Melbourne, Australien. Während in Boston die Einwandererquote von Iren noch relativ hoch ist, wird das in Melbourne wohl eher nicht so der Fall sein. Dennoch ist die Folk-Komponente im mittlerweile dritten Album völlig authentisch. Dazu tragen natürlich besonders die zuverlässig bedienten traditionellen Instrumente bei.
So behauptet sich die Tin Whistle in „The New Minority“ in wunderbarer Sehnsucht gegen das stoische Schlagzeugspiel. Der Dudelsack hat etwa in „Bakery Hill“ gute Momente und die Violine weiß sich wie auch die Mandoline oft bestens in Szene zu setzen.
Die meisten Stücke werden aber besonders von verzerrter Gitarre, Schlagzeug und Bass geführt, dies aber ohne zu ruppig zu werden. Schön ist, dass trotz der Tatsache, dass so viele verrückte Instrumente vorhanden sind, nicht ständig alles gleichzeitig gespielt wird und die Instrumentenvielfalt nicht auf Kosten der Dynamik ausgeschlachtet wird.
Der Folker wird nun fragen: Welche Traditonals spielen die denn? Ja, keins. Einziges Cover ist von Billy Bragg, der ja so ein bisschen der Vater des modernen Folks, oder Folk-Punks ist.
So ergibt sich ein Album, das nicht ganz an die Wucht der Dropkick Murpheys heranreicht, das ja aber auch nicht muss. Manchmal ist der Drift in den Pop aber für meinen Geschmack zu doll, wie etwa in „Rising Tide“. Das liegt sicher auch ein bisschen, an dem ein klein wenig zu lieben Gesang von Sänger Justin Keenan, der aber ansonsten seiner Band eine sehr passende Stimme gibt.
Nach eingehender Studie kann man sich dann doch zufrieden in den Ohrensessel zurücksinken lassen, den Whiskey schlürfen und sich dessen gewiss sein, dass in musikalischer Hinsicht nun doch wieder alles im Gleichgewicht ist.










