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"Gisbert zu Knyphausen" von Gisbert zu Knyphausen
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"Gisbert zu Knyphausen" von Gisbert zu Knyphausen

ls ich über diesen Namen stolpere, beschleicht mich das ungute Gefühl, dass dieser Mann so etwas wie eine leise Affinität zu alten Popstars wie Walther von der Vogelweide oder Hartmann von Aue oder Wolfram Eschenbach hat. Eine Revolutionierung höfischen Minnesangs? Bitte nicht!

Nein, keine Ritterspiele. Gisbert zu Knyphausen möchte viel lieber ein Cowboy sein, „so richtig mit Pferd und Lasso und Pistole und Stiefeln und allem drum und dran“. Und auch sonst macht Gisbert (der angeblich wirklich so heißt!) eher einen gegenwartsbezogenen Eindruck. Der gebürtige Hesse ist ein aufgeweckter Kerl, der die Welt um sich herum mit Erstaunen betrachtet, der die Dinge auf den Punkt bringt, Sachen sieht, die andere nicht sehen und sich auch ganz besonders für die Banalität des Alltags interessiert.

Gisbert zu Knyphausen singt und zupft jetzt in Hamburg, wo man erfahrungsgemäß mit deutschsprachiger Musik an der richtigen Adresse ist. Dank myspace und charmantem Auftreten in charmanten kleinen Spelunken hat Herr zu Knyphausen sich schon eine ordentliche Fanbase zusammengetrommelt. Auch die Süddeutsche und Spiegel-Online haben den 28-Jährigen für sich entdeckt. Gisbert ist auf der Überholspur. Zu recht.

Denn der Songwriter findet die richtigen Worte für die richtigen Phänomene. Da ist zum Beispiel diese Beziehungskiste. Eine Sylvesternacht und eine junge Liebe, die nicht weiß, ob sie bestehen kann, ob es überhaupt richtig ist, dass sie anfängt: ”Es ist zwölf, ich bin gespannt was sich ändert, du bist gut drauf und mir ist kalt. Und die Nacht legt sich in bunte Gewänder, doch das wird langweiliger von Jahr zu Jahr. Und deine Hand fühlt nach, ob ich jetzt noch zweifel, doch im Grunde ists dir egal (…) Und in der Stadt die ganzen glücklichen Gesichter, ich mein irgendwie gehören wir doch dazu, wir erzählen uns unsere stumpfen Geschichten … denn dies ist unsere Zeit, wir sind in dieser Nacht geboren, wie die Idioten aus dem Film hab ich mein Herz an dich verloren” (“Neues Jahr”). Gisbert zu Knyphausen erzählt von Bindungsängsten, von Selbstmitleid, vom Verlassenwerden, von Schmerz und Angst. Trotzdem schafft er es, seine Songs über dieses sumpfige Moor der Melancholie hinweg zu retten. Ein wirksames Mittel ist dazu sicherlich seine E-Gitarre, die er nicht selten in den Verstärker einstöpselt und seiner Traurigkeit Luft macht.

In seinem tiefsten Inneren ist Gisbert zu Knyphausen laut eigener Aussage sowieso ein optimistischer Mensch. Und die Platte ist auch bestimmt nichts für Trauerklöße. Man muss den Kopfschmerz des Lebens erst einmal spüren, um ihn zu überwinden. „Den ganzen Unsinn werd ich nie verstehn, da hilft nur einatmen, nach vorne gehen, Es ist so einfach, es ist so einfach – das ganze Leben ist ein wunderschöner Sommertag“ (“Sommertag”).

L. Krutzinna
titel
01 Neues Jahr | 02 Erwischt | 03 Wer kann sich schon entscheiden? | 04 Der Blick in deinen Augen | 05 Flugangst | 06 Spieglein, Spieglein | 07 Herzlichen Glückwunsch | 08 Gute Nachrichten | 09 Kleine Ballade für zwischendurch | 10 Sommertag | 11 So seltsam durch die Nacht | 12 Verschwende deine Zeit (Gisberts Blues Nr. 135)
Release: 25.04.08 bei Omaha-Records
|http://www.omaha-records.de/|
Künstler-Homepage: http://gisbertzuknyphausen.de/
cover
Bewertung:
5/5