raak & Smaak klingt wie eine lettische Privatbrauerei für Starkbier. Ist Quatsch. Kraak & Smaak sind „The Next Big Thing“ im modernen Funk, allerdings schon seit drei Jahren. Das wissen auch Mark Brydon von Moloko, Ben Westbeech, Stones-Throw-Rapper Dudley Perkins und Rose – die alle auf diesem grandiosen Ausnahmealbum vertreten sind.
Kraak & Smaak feierten mit ihrem 2005er Debütalbum „Boogie Angst“ einen Erfolg, den sie so sicher nicht erwartet hatten, der es ihnen aber erlaubte bis auf eine kleine Pause zum Remix-Album machen einfach erstmal als Szene-Neuling 200 Konzerte auf dem kompletten Planeten zu spielen. Die besagte Remix-Platte entstand auch nicht, weil die drei Herren eine Pause brauchten („Man wird lange darauf warten müssen, dass wir uns mal über das anstrengende Tour-Leben beklagen“), sondern weil jede Mengen Genre-Größen sie zum Remixen genötigt haben und dadurch nebenbei schon viel Material entstand. Und mal ehrlich: Würdet ihr widerstehen, wenn Jamiroquai, Kruder & Dorfmeister oder Mark Rae sagen: Ich möchte gerne einen Remix von dir auf meiner nächsten Platte!
Dass Kraak & Smaak in der Zeit seit „Boogie Angst“ einiges gesehen und viele neue Einflüsse gesammelt haben, hört man dem Album an. Ihrem umfangreichen Musikwissen (Pathologische Plattensammler!) verdanken sie, dass das Album zwar viele Facetten hat, aber nicht willkürlich zusammengewürfelt, sondern ganz und gar aus einem Guss ist.
So finden sich beispielsweise herrliche Downtempo-Stücke auf der Platte. In „Enzo“ redet etwa Enzo Vincenzo in kehligem Spanisch über unheilverheißende Synthies mit rascheligem Beat. Das ist so wie die frühen Tito & Tarantula als Downtempo – Hammer! Ein großartiges Ding ist auch „Cornered“, das mit sechseinhalb Minuten völlig verträumt aber dennoch straight seine zentrale Position auf dem Album rechtfertigt. Sehr viel Delay, warme Percussions und eine unglaublich versonnene Klarinette von Tommie Freke erinnern an die besten Momente von Daedelus und Bonobo.
Den größten Raum nehmen aber ganz große Disco-Funk-Banger ein. Allen voran „That’s My Word“ mit Stones-Throw-Rapper Dudley Perkins, der sich hervorragend einpasst. Der Beat ist fast minimalistisch funkig mit ein paar Claps und ab und an mal ein smoother Akkord. Da sich Perkins aber auf mindestens 3 Spuren austobt und manchmal noch wummernde Subbässe eingestreut werden, entsteht ein mächtig mitreißender Funktrack, der in keinem DJ-Set vor 2 Uhr nachts verbraten werden wird.
„Squeeze Me“ mit Ben Westbeech zeigt wie viel Power pure contemporary Funk überhaupt haben kann. Schmale Piano-Lines auf extrem rhythmischem Schlagzeug von Richard Adlam. In Sachen Groove auf jeden Fall das Highlight des Album.
Weiterer Killer-Track ist der Titeltrack „Plastic People“ mit Mark Brydon von Moloko. Der Beat ist überraschend technoid und deep, sodass man glauben könnte Fuckpony, M.A.N.D.Y. oder andere Get Physical-Artists hätten hier Pate gestanden.
Vom Sound her liegt „Ain’t Gonna Take It No More“ zwischen „Squeeze Me“ und „Plastic People“. Organischer Slap-Bass trifft auf Synthies, die sich erneut auf GPM-Niveau bewegen, und das Sprachsample „Listen To The Sounds Of Hell“ sagt nichts anderes als dass auf diesem Track definitiv kein Girls’Day ist.
Ansonsten ist noch der Track „Ready For Life“ hervorzuheben, der sich mit einer klareren Songstruktur vom Großteil des Albums abhebt. Die Stimme von Rose über einer verflucht tiefen Bassline schwebt zischen sanfter Disco-Musik-Begleitung und dem Charisma einer Lou Rhodes.
Wo wir schon bei Rhodes sind. Dem Rhodes Piano, dem Markenzeichen der Band, ist es wirklich zu verdanken, dass die Tracks trotz ihres post-post-modernen Sounds die Bodenhaftung nicht verlieren und irgendwie geerdet sind. I-DJ meinte mal über Kraak & Smaak: „Must see Live Band“. Krutzinna sagt: „Must Have Album“. Und die Band stellt fest: „Wir haben noch nichtmal einen sonderlich großen Namen, die beste Zeit liegt noch vor uns!“ Fazit: Ich bin solange Fan wie diese Band existiert! Album-Abo!










