or 19 Monaten hat Rock-Veteran Claus Grabke sein Solodebüt „Dead Hippies / Sad Robot“ veröffentlicht, jetzt steht schon der Nachfolger in den Regalen. Das Lärm-Manifest „Deadly Bossanova“ erkundet mit spürbarer Freude brachialen Sound, ohne sich um eine partytaugliche Ästhetik zu scheren - mag das der gepflegte Rocker überhaupt hören?
Grabke ist ein Mann, der das für Rockmusik notwendige Handwerkszeug fest in seinen Händen hält. Umso lobenswerter ist es, dass er diese Qualität nicht mit dem 100. Aufguss alter Hüte verschwendet. „Deadly Bossanova” hat er in seinem Studio in Gütersloh selbst produziert und dabei Wert auf einen authentischen Sound gelegt. Zeitweise klingt dieses Album mit seinen überdimensionierten Feedback-, Geräusch- und Distortion-Elementen wie eine orgiastische Jam-Session. Grabke mag keine Schminke auf den Songs, verzichtet auf Overdubs und ähnliche Studiotricks. Dadurch hört man den einzelnen Signalen auch den langen Weg durch Ketten sorgfältig eingestellter Effektgeräte an.
Das bezieht sich nicht nur auf Bass und Gitarre, sondern auch auf den Gesang. Ganz extrem in einem der stärksten Tracks: dem Kraftwerk-Cover „Radioactivity”. Hier zieht Grabke seinen Stil voll durch und lässt sich dafür zum Glück auch über acht Minuten Zeit. Wenn Grabke ein vermeintliches Ende im Lied „Gates Of Steel” mit dem Mantra „I keep rocking” besingt (und ein kompaktes Gitarrensolo der Platte folgen lässt), nehme ich das also durchaus ernst. „Deadly Bossanova” ist so etwas wie eine Extremform der Rockmusik, was durch die größenwahnsinnige Orgel im Titelsong noch einmal dick unterstrichen wird. Natürlich eine Extremform aus der ganz persönlichen Sicht von Claus Grabke. Sehr gelungen ist übrigens das von Ed Templeton gestaltete Cover: Es verdeutlicht, dass hier ein einzelnes Subjekt im Mittelpunkt steht, dessen Einheit aber in Gefahr geraten ist.
Mit diesen Stärken ist „Deadly Bossanova” aber eine Rock-Platte, die der Noise-Musik nur die Hand reicht. Grabke macht zu sehr „sein Ding”, als dass er die Triebe nerdiger Popkultur-Fetischisten wirklich befriedigen könnte. Da wirkt z.B. das Kraftwerk-Cover angesichts seiner ich-bezogenen und (wenn nicht langweilig so doch) eindeutigen Lyrics wie ein Statement mit dem Holzhammer. Es ist nichts desto trotz ein Album, das zurecht bewusst gehört werden will - alles andere käme bei dem Megafon-Gesang wohl auch gar nicht in Frage.










