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"Sängerkrieg" von In Extremo
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"Sängerkrieg" von In Extremo

n Extremo sind mit fast zehnjähriger Bandgeschichte ein beinah historisches Schwergewicht in der Mittelalter-Rock-Szene. Ein Genre, das nicht gerade für seine progressive Entwicklungsfreude bekannt ist. Doch „Sängerkrieg“ soll Altbewährtes verbinden mit einem neuem Klang und einer neuen Bandphilosophie.

Der Albumtitel „Sängerkrieg“ ist angelehnt an die Mittelalter-Sängerwettstreite, in denen sich ja mehr oder weniger bekanntermaßen Walther von der Vogelweide in seinem zauberhaften Mittelhochdeutsch beweisen konnte. Für die Band ist der neue Titel jedoch auch ein Stück weit wegweisend. Dudelsäcker Dr. Pymonte meint dazu: „Man kann sogar von einem Sängerkrieg innerhalb der Band sprechen, in dem man freundschaftlich um die besten Ideen streitet.“ Klingt schön, wenn die hierarchischen Strukturen in einer Band aufgebrochen werden und Platz machen für konstruktive Diskurse. Nur schade, dass mich die Tracks vom neuen Album fast ausnahmslos nicht vom Hocker hauen. Der Opener „Sieben Köche“ soll wohl die neue Aufgeschlossenheit der Band gleich am Anfang zum Ausdruck bringen. Klingt aber wie das „Samurai“-Album der Apokalyptischen Reiter, das für mich nun kein Höhepunkt in der Musikgeschichte darstellt. Weitgehend sinnfreie Texte („Eins, zwei, eins, zwei, eins, zwei, drei, sieben Köche kochen Brei“) treffen auf hektisch-quietischige Gitarren und Dudelsäcke, die nur einfache Melodien spielen und nur den Sound füllen und gar nicht ihre authentische, traditionelle Klangfülle ausleben. Der Sound setzt sich teilweise auch im nachfolgenden Titeltrack fort, wo zumindest die Gitarre etwas ungewöhnliche, Metalcore-artige Verrücktheiten anstellt. Der Track ist aber ansonsten doch sehr treibend und wird sicherlich mit der Line „Ein In Extremo, der wird niemals knien“ bei Konzerten und in der Rock-Phase von Dorf-Discos seine Fans finden.

Auch wenn In Extremo in Interviews gern beteuern, dass sie musikalisch einfach ihr Ding machen und Songs schreiben wie sie Lust haben, scheint es mir doch, als wäre das Album in erster Linie auf einen kommerziellen Erfolg ausgerichtet – und ich kann mir auch gut vorstellen, dass der nun vierte Anlauf in Richtung Echo von Erfolg gekrönt sein wird. So sind die Songs trotz einer angeblichen Vielfalt doch sehr homogen. Kaum ein Stück sticht wirklich heraus und bleibt hängen. Inhaltlich passiert nicht viel neben austauschbaren Kraftausdrücken und so Langweiligkeiten wie „Froh zu sein bedarf es wenig, doch wer froh ist, ist ein König“. Musikalisch zeigt sich die Band wenig innovativ oder mutig, wenn man von den zweifelhaften Modernisierungsversuchen absieht. Ich hab den Eindruck, dass In Extremo mit hineinrutschen in diesen Identitätsverfall-Strudel, von dem die Letzte Instanz und Subway To Sally bereits ergriffen sind. Aber die haben damit ja dennoch Chart-Erfolge feiern können. Ob man mit Autogrammstunden bei Saturn-Märkten und einem Cover der Editors wirklich real bleibt ist halt auch so ne Frage.

Das einzige Mal, dass ich wirklich aufhorchen musste war beim Stück „Requiem“, das wirklich ein Lichtblick ist. Hier wird ein Text des französischen Vogelweiden-Walthers, nämlich François Villon vertont. Sehr puristisch instrumentiert schimmert unter besonderem Verdienst der Bläsersektion einmal die Mittelalteratmosphäre durch. In seiner ganzen Vielgestaltigkeit: Finsternis, Sehnsucht, Kälte, Schwermut.
Die großen Gefühle sucht man neben guten Ideen ansonsten leider vergeblich.

S. Krutzinna
titel
01 Sieben Köche | 02 Sängerkrieg | 03 Neues Glück | 04 En Esta Noche | 05 Mein Sehnen | 06 Flaschenpost | 07 Requiem | 08 Frei Zu Sein | 09 Zauberspruch | 10 In Diesem Licht | 11 Tanz Mit Mir | 12 An End Has A Start | 13 Mein Liebster Feind | 14 Auf's Leben
Release: 09.05.08 bei Universal
|http://www.universal-music.de|
Künstler-Homepage: http://www.inextremo.de
cover
Bewertung:
2/5