enn Isobel Campbell und Mark Lanegan zusammen Musik machen, kommen sie so ein bisschen wie “Die Schöne und das Biest” rüber. Und tatsächlich schwelgen sie auf ihrem zweiten Album “Sunday At Devil Dirt” in märchenhaften Songs. Grabesstimme trifft Jungfrauen-Gesäusel - das gab’s doch schon mal...
1966: Als Lee Hazlewoods und Nancy Sinatras Solo-Karrieren nicht so richtig zündeten, da taten sie sich zusammen - ein Glücksfall. Hazlewood, Sohn eines Tankwarts, schrieb die Songs; Nancy Sinatra, die bisher erfolglos in die riesigen Fußstapfen ihre Vaters treten wollte, sang sie. So entstanden unsterbliche Lieder wie “These Boots Are Made For Walking” oder “Summer Wine”. Diesen kleinen Exkurs darf man sich ruhig gönnen - einmal, weil Hazlewood ein verdammt wichtiger Typ für die Popmusik war; außerdem aber, weil Isobel Campbell beim Schreiben von “Sunday At Devil Dirt” sicher den ein oder anderen Song aus dieser Ära im Kopf hatte.
Es macht auch einfach Spaß, die Paare zu vergleichen: Während bei den “Großeltern” Hazlewood für’s Kreative zuständig war, nimmt bei den “Enkeln” die Schottin Campbell diese Rolle ein. Erfahrung im Songwriting hat die ehemalige Cellistin von Belle & Sebastian bereits in einer eigenen Band (“The Gentle Waves”) und solo gesammelt. Ich habe keine Ahnung, wie sie an Mark Lanegan als Sänger gekommen ist. Die Songs zum ersten gemeinsamen Album der beiden hatte sie jedenfalls in Glasgow vorproduziert und Lanegan nach L.A. geschickt, wo er sie dann mit seiner tiefen, weisen Stimme beglückte. Verständlich - ich hätte jedenfalls ein bisschen Angst vor dem ehemaligen Frontmann der Screaming Trees-Frontmanns, der schon 1990 mit Kurt Cobain und Krist Novoselic sein erstes Solo-Album aufgenommen hat. Diesmal jedenfalls waren sie zusammen im Studio - erst in den Bergen nahe New York, dann in Glasgow.
Komplett wird die Familie aber erst, wenn man auch noch die “Eltern” Nick Cave und Kylie Minogue ins Spiel bringt. 1995: Ihr Duett “Where The Wild Roses Grow” funktioniert ähnlich pathetisch wie Hazlewoods “Summer Wine” - herrlich dick von Streichern unterlegt. Mit den “Murder Ballads” hat “Sunday At Devil” den session-artigen Sound gemein, der die Songs so plastisch und die Geschichten so eindringlich macht. Am Eindringlichsten gelingt das bei “The Raven”: Lanegan erzählt seine Geschichte, die an Edgar Allan Poes gleichnamiges Gedicht angelehnt ist; Campbell beschränkt sich auf zartes Säuseln; klug gesetzte Streicher und eine düstere, aber zurückhaltende Combo aus Wüstengitarren, pochendem Bass und nur leicht touchiertem Schlagzeug runden das Klangbild ab.
Nicht jeder Track ist so effektvoll angelegt - das folgende “Salvation” z.B. hört sich auf einmal viel mehr nach einem Bonnie Prince Billy-Song an. Auch im Folgenden werden noch so einige Wurzeln amerikanischer Folkmusik ausgespielt, z.B. im hypnotischen “Back Burner” oder dem “Shotgun Blues” (das einzige Lied, wo Campbell allein singt - könnte sie ruhig mal öfter machen).
So düster, mystisch und europäisch die Platte mit dem Opener “Seafaring Song” beginnt, so locker und amerikanisch geht sie dem Ende zu. “Something To Believe” ist trotz Lanegans schweren Organs fast lustig gelungen (vor allem, wenn er pfeift). Das tut der Platte auch ganz gut, weil seine Stimme die ganze Zeit über sehr im Vordergrund steht und einfach wahnsinnig präsent ist. Ein schwieriger Job, den Lanegan für mich auch nicht so befriedigend erfüllt, dass ich hier von einem Klassiker sprechen würde. Es ist einfach ein schönes Album, um sich an die alten Gestalten zu erinnern (muss noch mal gucken, ob “Großonkel” Johnny Cash auch solche Duette im Repertoire hatte) oder, um sich ein wenig von alten europäischen Mythen verzaubern zu lassen während man über einen staubigen Highway fährt. Dark romance laid back - eine eigenwillige Mischung.













