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"Pershing" von Someone Still Loves You Boris Yeltsin
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"Pershing" von Someone Still Loves You Boris Yeltsin

er Indie-Frühling ist noch lange nicht vorbei. Durften wir bereits die neuen Kooks bechnuppern, keimten junge Sprösslinge wie die Los Campesinos! auf, ließen uns We are Scientists oder Nada Surf die ersten Sonnenstrahlen auf der Haut spüren – all das war nicht zu viel versprochen: Der Sommer wird heiß und bunt. Und jetzt sind auch Someone Still Loves You Boris Yeltsin wieder da.


Nach ihrem Debüterfolg „Broom“ halten wir die Luft an. Klappt das? Was ist seitdem passiert mit diesem quirligen Quartett aus den Staaten? Diese blutjungen, etwas ungesund aussehenden Typen, die dann plötzlich zu herrlichstem Lo-Fi abspacken – wir sind Dilettanten, aber wir sind tabulos, schien das Motto von SSLYBY zu sein. Schräge Klavier Boogie-Woogie-Parts, die sich nicht mehr abschütteln lassen, die Stimme von Sänger John Robert Cardwell, die alle Gefühlslagen mit der passenden Tonhöhe versehen kann – immer einen Halbton daneben versteht sich. Aber SSLYBY musste man einfach lieb gewinnen. Umso aufregender nun zu erfahren, was aus den Boys geworden ist.
Pershing ist glatt. Kein Ecken und Kanten, zumindest kaum. Das Klavier wurde zugeklappt, der Staub abgewischt, die Stimme geölt und ein frisches T-Shirt angezogen. Fortan wird im Takt gespielt. Warum? Da ist kaum ein Song, der mich erreicht und der bleibt, sich im Ohr festsetzt. Das Fading-Out-Stück „Doris Tailspin (Boring Mountain)” ist da noch fast am fetzigsten, obwohl es rein instrumental ist und nicht mal die Minutenmarke ankratzt. Schon der Opener wirft ein schlechtes Licht auf die ganze Geschichte: Es plätschert so vor sich hin, da werden mal ein paar Gesänge übereinander gelegt, dann klopft jemand auf einem Topf rum, aber ansonsten läuft das Ganze langweilig in den gewohnten Tonspuren vor sich hin. In den folgenden Tracks dann mal ein paar Bläser oder eine Geige, das wars dann aber auch schon an kreativen Ergüssen. Die Orchidee der Platte ist wohl „Think I Wanna Die”, da geht’s wenigstens gleich zur Sache. Ein schöner Mix aus traurigem Moll und straightem Vorwärtssingen.
Der Rest bleibt anonym. Auf alle Fälle gibt’s ein paar gute Ideen, Effekte, Textzeilen, aber was auf Broom noch rough war und liebenswert und kindlich-durchgeknallt, ist jetzt nivelliert und Indie-Mainstream. Klar, irgendwie auch perfekter und ausgereifter, aber der Charme ist verloren gegangen. Schade um diese doch so putzige und sympathische Band.

L. Krutzinna
titel
01 Glue Girls | 02 Boring Fountain | 03 Dead Right | 04 The Beach Song | 05 Modern Mystery | 06 Some Constellation | 07 Think I Wanna Die | 08 You Could Write A Book | 09 Oceanographer | 10 Heers | 11 Doris Tailspin (Boring Mountain)
Release: 16.05.08 bei Polyvinyl Records
|http://www.polyvinylrecords.com|
Künstler-Homepage: http://www.morawk.com/boris/
cover
Bewertung:
2/5