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"Open Letter To The Disappeared" von The French Semester
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"Open Letter To The Disappeared" von The French Semester

he French Semester sind relaxed, sonnig und unangestrengt. „Open letter to the disappeared“ ist schlicht und einfach der perfekte Soundtrack für einen geilen Sommer. Unglaublich wie einfach und überzeugend eine Platte zugleich sein kann. Aber scheiße: Sie ist es.

Wer sind die Jungs aus Kalifornien? Da gibt es einen Indio-New Yorker, einen mexikanischen Perkussion-Mann, einen Basser aus Vietnam und damit dann fast alle Kontinente dabei sind einen Drummer aus dem vereinigten Königreich. Diese multikulturellen Combos sind ja beinah dafür berüchtigt sehr abgefahrene Musik zu machen, die soundmäßig zwei Jahre vor dem Jetzt liegen. Das ist hier halt nicht der Fall.

Vielmehr scheint der bunte Haufen gänzlich bodenständig einige Sternstunden der amerikanischen Musikgeschichte, insbesondere der 60er aufleben zu lassen, zu verbinden und in einen neuen Kontext zu rücken.
Meine erste Assoziation sind immer noch The Mamas and the Papas. Da raschelt auch ständig Percussion-Gedöns im Hintergrund herum und man hört die Drums kaum. Das Album klingt tatsächlich auch echt schlecht abgemischt: Bass gibt’s gar nicht, von Stereoverteilung trau ich mich eigentlich auch nicht zu sprechen und der Rest geht irgendwie in einem trashigen Sound durcheinander. Hinzu kommt noch, dass sich die Musiker wirklich nicht überarbeiten. Gitarre wird halt meist so hingeschludert und die Rhythmus-Sektion (also der Rest der Band) klappert dazu ein bisschen. Aber das alles schafft eine unglaublich authentische, wirklich mitreißende Atmosphäre längst vergangener Tage. Einer Zeit, wo man nicht möglichst viel Action in einen Song packen musste. Einer Zeit als Gitarristen noch Lust hatten einfache Melodien zu spielen, Melodien, die schön sind, vor denen aber Hobby-Klampfer nicht auf die Knie fallen. Und schließlich einer Zeit, wo man Musik einfach aus Freude an der Musik gemacht hat.

Mein Favorit ist der „Winter Song“. Da kann man einfach nicht anders, als mal gemächlich den Puls runter zu fahren, sich in einen Liegestuhl am Strand zu chillen und kühles Becks zu trinken. Ich will nicht esoterisch werden, aber da wird echt der Kopf frei, da kann man mal wirklich allen Scheiß um sich vergessen, die Beine hochlegen und ganz gepflegt nix machen.
Ein Kracher ist „The Day Of The Barrel“. Der ist vom Songwirting fast schon punkig und erinnert mich in seiner roughen und ein wenig naiven Art an Social Distortion – allerdings ohne den ganzen Fuck-The-World-Ballast, sondern eben mit kalifornischer Sonne.

Da man sich nicht viel damit beschäftigen muss, wie denn das Album „funktioniert“, hat man dann auch mitunter die Muße den Texten zu lauschen. Diese sind auch tatsächlich gar nicht so unspannend. In den seltensten Fällen hat man wirklich ein konkretes Bild vor Augen, die Texte sind aber meistens lustig durcheinander assoziiert. „We laugh out loud / We fight Indians / We say thoughts so fast / We make fireflys burn“, heißt es etwa im ebenfalls großartigen Track „Arrowheadings“.

Die große Stärke des Albums ist außerdem, dass alle Songs cool sind und bei aller Einfachheit absolut abwechslungsreich. Somit konnte „Open letter to the disappeared“ auch ohne Probleme meinen 30-Rotations-iPod-Test bestehen, denn ich feier das Album immer noch genauso wie am Anfang. Wer auch nen guten Sommer haben will, kommt an dieser Platte definitiv nicht vorbei.

S. Krutzinna
titel
01 The Blue Distance | 02 Arrowheadings | 03 Subway To The Sky | 04 United Nations | 05 Your Master Plan | 06 The Day Of The Barrel | 07 Winter Song | 08 Summer Face | 09 The Red, The Black And The Blue | 10 A Singularity | 11 Me And The Mockingbird | 12 Paradise | 13 Don't Be A Magistrate | 14 And The Moon Will Be Watching | 15 How Do We Act
Release: 14.05.08 bei Beyond Your Mind Records
|http://www.beyondyourmindrec.de|
Künstler-Homepage: http://www.myspace.com/thefrenchsemester
cover
Bewertung:
5/5