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"Hin zur Sonne" von Casper
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"Hin zur Sonne" von Casper

plash! 2007. Sonntag um die Mittagszeit. Das Magagin-Team inkl. Mitreisenden liegt völlig platt bei einer Schweinehitze vor dem Zelt rum. Schon die ganze Zeit wummern Beats und Sprachfetzen rüber. Wechsel auf der Bühne und plötzlich geht es ab. Krasse Partymucke und ein Rapper der sich offensichtlich völlig verausgabt.


Nachdem mal ein Blick ins Line-Up geworfen wurde, war klar: Casper. Aha. Schon mal gehört. Klingt ganz geil.
Dank unseren Freunden bei MixeryRawDeluxe.tv ist ja so ziemlich das komplette splash! im Netz noch mal nach zu verfolgen. Da musste man dann leider feststellen, dass man in der Tat etwas verpasst hatte. Hammer Auftritt. Lohnt sich mal reinzuschauen.
Mai 2008. Durch diese Erfahrungen etwas sensibilisiert, ist die Freude groß, als man ein Snippet zum ersten „richtigen“ Casper-Album „Hin zur Sonne“ in den einschlägigen Blogs findet. Ich hab glaube ich habe noch nie Snippets mehr als 1x gehört. Dieses hier schon. Das Album erscheint und der positive Eindruck bestätigt sich im vollen Umfang.
Casper hat zusammen mit seinem Executive Producer Shuko ein wirklich verdammt gutes Album erschaffen. So viel sei schon mal gesagt. Dass 2008 ein junger Mann einfach nur durch gute Raps und gute Beats, ohne verrücktes Image, ohne Gimmicks, ohne DIE riesige Innovation dermaßen überzeugen kann, hätte man wohl auch nicht gedacht. Ist aber so.
„Hin zur Sonne“ ist ein intensives Erlebnis. Der Titeltrack führt ein in die Welt von Casper. Ein bewegender Abriss seiner Biographie in 4 Minuten über einen sehr schönen Gambit-Beat. Perfekter Einstieg in ein Album, dass einen vor allem deswegen in den Bann zieht, weil hier einer rappt, der neben an wohnen könnte. Ein Typ aus Bielefeld mit den „normalen“ Sorgen und Freuden des Lebens. Das ist hier aber so gar nicht langweilig, sondern packt einen. Keiner der das Game übernehmen will, im krassesten Viertel wohnt und unglaublich viel Geld mit Rap macht. Wie angenehm!
Wegen Tracks wie „Hundeleben“ in denen mal gesagt wird, dass auch als Rapper nicht automatisch die Uhren größer und der Kühlschrank voller werden, gab es in diversen Foren den Titel „Emo-Rapper“. Dass man sich aber auch unter solchen Umständen durchaus mal feiern kann und darf, klärt Casper souverän mit dem im Jeezy-Style gehaltenen „Die Welt steht still“.
Wie schon angesprochen ist Casper aber vor allem auch ein Live-Rapper. Deswegen gehen über weiteste Teile des Albums nicht nur die Beats unglaublich nach vorne, sondern finden auch Tracks wie „Casper! Bumaye“ ihren Weg aufs Album. In Anlehnung an den Ali-Schlachtruf beim legendären Kampf gegen George Foreman in Kinshasa gibt es hier einen wunderbaren Feiertrack mit Marching Band-Beat inkl. dickem Percussion-Geballer.
Selbstbeschreibung: „Bin ein bisschen GQ, bisschen die Juice“ – wer würde da besser als Feature-Partner passen als Prinz Pi? Rhetorische Frage. Niemand. Und so ist der gemeinsame Track „Der letzte Tanz“ auch eine wunderbare Hymne an die Nacht. Aber als wären das nicht genug Highlights gibt es mit „Unzerbrechlich“ einen wirklich sehr positiven, motivierenden Song über einen melancholisch-schönen Beat von Shuko mit James Blunt-Sample. Wenn Casper auf „Verdammt nah dran“ die Jugend mit seinen Jungs Revue passieren lässt, wird sich da wohl eine ganze Rap-Generation in Teilen drin wieder finden. So was ist schön!
Dass Casper in seinem Album aber auch Strömungen des aktuellen Rap-Geschehens aufnimmt und auf seine Art und Weise passend interpretiert, zeigt, dass Casper auch immer noch Rap-Fan ist und auch gerne mal Koksrap („Straße 2“ mit Kollegah), Young Jeezy („Die Welt steht still“) oder Crunk („Stampf ihn ein“) hört. Sympathisch.

„Welcome to the Casper show“. Ein Typ, der dem ganzen Rap-Zirkus irgendwie entrückt scheint, macht das bisher wohl ehrlichste und beste deutsche Rap Album des Jahres klar. Einfach sympathische Rap-Mucke mit Eiern und Herz.

M. Schmutzer
titel
01 Hin zur Sonne | 02 Deine Jugend | 03 Die Welt steht still | 04 Hundeleben | 05 Casper! bumaye | 06 Bevor das Licht erlischt | 07 In deinen Armen feat. Amaris | 08 Der letzte tanz feat Prinz Pi | 09 Unzerbrechlich | 10 Verdammt nah dran (supermänner) | 11 Stampf ihn ein feat. Lump, Elch, Al Capone und Pimpulsiv | 12 Strasse 2 feat. Kollegah | 13 Skit | 14 Kein held | 15 Lerne laufen feat. Tua & Vega
Release: 09.05.08 bei 667 One More Than The Devil
|http://www.667onemorethanthedevil.de|
Künstler-Homepage: http://www.killcasper.info
cover
Bewertung:
5/5