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"The In Crowd" von Kidz In The Hall
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"The In Crowd" von Kidz In The Hall

er hört heute noch Conscious-Rap? Obwohl MCs wie Common, Talib Kweli oder Mos Def die HipHop-Freunde weiterhin regelmäßig mit neuer Musik beliefern, würde sich wohl kaum ein geneigter Hörer anmaßen, zu sagen, dass Conscious-Rap immer noch eine große Rolle spielt. Gefeiert wird heute hauptsächlich alles, was laut ist und nach Vorne geht, sprich: Down South, rougher New York-Shit oder LAs Gangsta-Attitüde.


Der Fokus hat sich verschoben, die Musik sich dem Hörer angepasst oder umgekehrt. Nur noch selten erscheinen Artists auf der Bildfläche mit Anspruch auf Aussage. Dass das nicht immer gleich auch „Stock-im-Arsch“ heißen muss, beweisen seit kurzem erneut „Kidz in the Hall“.
2006 noch bei Rawkus (!) unter Vertrag, haben Kidz In The Hall mittlerweile das Lager gewechselt und bei dem Label Duck Down Records unterzeichnet. Über dieses ist nun auch gerade ihr zweites Album „The In Crowd“ erschienen. Ein zweites Album zu releasen ist nicht immer leicht für Künstler, da die gestellten Erwartungen häufig immensen Druck ausüben - nach dem erfolgreichen ersten Album der beiden „Kidz“ dürfte das durchaus auch der Fall gewesen sein. Die Musik muss neu und fresh klingen, zeitgemäß muss sie sein, darf sich aber gleichzeitig nicht zu sehr von dem Originalsound des Erstlings unterscheiden.
Kidz In The Hall allerdings scheinen nicht ihrer Kreativität beraubt worden zu sein. Kein Druck von Außen, kein Druck von Innen; der Sound klingt neu und fresh, klingt irgendwie anders und doch ganz nach Kidz In The Hall. Einmal mehr beweist Double-O, wie sich Beats gut anfühlen müssen, um für eine bestimmte Atmosphäre zu sorgen. Umso besser, da Naledge in den meisten seiner Texte sehr daran gelegen ist, eine Message zu transportieren und so etwas präsentiert sich mit entsprechender Musik einfach leichter. Versteht mich nicht falsch, Naledge hat viel zu erzählen – wobei sich die Inhalte meist auf altbewährte HipHop-Stereotypen beschränken – und tut das sowohl auf technischer als auf erzählerischer Ebene auf höchstem Niveau. Es geht um Frauen mit Drogenproblemen („The In Crowd“ feat. Tim William), um Selbstbeweihräucherung („Mr. Alladatshit“ feat. Donnis & Chip Tha Ripper), Selbstreflektierung („Inner Me“) etc. Nichts wirklich Neues also, aber das ist überhaupt nicht schlimm. Kidz In The Hall stellen schließlich nicht den Anspruch, Rap neu zu erfinden, sondern gute Musik mit gutem Inhalt zu machen. Und das gelingt Ihnen ohne weiteres problemlos. Oder um es mit den Worten eines Just Blaze zu sagen: „Kidz In The Hall is a breath of fresh air in this tired rap world we're living in right now. With the right push they could make a serious impact on what the rap game has become.”
Wenn man jetzt ganz viel Argwohn gegen Double-O verspüren würde, könnte man frech behaupten: „Ey, der klingt ja wie der-und-der!“ Stimmt, aber eben nur fast. Sicherlich lassen sich die musikalischen Einflüsse nicht von der Hand weisen, aber wen stört´s, wenn sich ein guter Produzent an guten Vorbildern wie Kanye West, 9th Wonder oder Just Blaze orientiert und ein wenig deren Spirit in seine Musik mit einfließen lässt. Die Beats klingen teilweise schön rough, z.B. bei „Blackout“, der den ganzen Körper in ein heftiges Auf-und-Ab versetzt. Oder teilweise entspannt melodisch mit weiblichen Vocal-Samples untermalt, die auch wunderbar auf Commons „Be“ verzaubert hätten. Double-O weiß beattechnisch zu begeistern, beschränkt er sich doch nicht nur auf einen Sound. Synthies und Samples sind gleichermaßen vertreten, Bass und Drums fordern ihren Tribut bei den Kopfnickern und ergänzen die Melodien wunderbar, ohne diese völlig zu überschatten.
Das Album bietet mit 13 Tracks (+Bonustrack) eine ordentliche Menge an guter Musik. Allerdings – und das ist wohl der einzige richtige Kritikpunkt - kommt lediglich ein Track („Inner Me“) ohne Features aus, obwohl Naledge auf ebendiesem beweist, dass er easy auf Tracklänge durchhalten und überzeugen kann. Insgesamt sind die Features allesamt gut gewählt und ergänzen den young MC wirklich gut, ohne ihm den Rang abzulaufen oder ihn deplaziert wirken zu lassen. Man merkt beim Hören, dass es sich bei den Features tatsächlich auch um Freunde der beiden handelt – die Liste liest sich wie ein Poesiealbum der engsten Homies - und sie nicht nur für viel Geld unsinnig eingekauft wurden. Interessanterweise ist BlackMilk gleich zweimal hintereinander vertreten: Auf „Middle of the Map feat. Fooch“ steuert er den Beat bei und auf „Middle of the Map“ steppt er zusammen mit Guilty Simpson ans Mic.

Kidz In The Hall zeigen, wie sich Rapmusik 2008 anhören kann und sollte. Ein gewisse Portion Arroganz mit Laid-back Attitüde und trotzdem nicht platt und aufgesetzt. KitH sind vollends im Rap-Game angekommen und können sich hoffentlich mit ihrem zweiten Opus etablieren, wobei es letztlich an den Käufern liegt, ob der HipHop mittlerweile erwachsen und reif genug ist, um wieder mehr Wert auf Inhalt zu legen – ohne dabei auf guten Sound verzichten zu müssen – und das ganze künstliche Image-Fassade-Gefake ein Ende findet. Oder wenigstens einen Tritt in die Eier bekommt ;-). Conscious-Rap in Jahr 2008? - Ja, unbedingt!

A. Kraft
titel
01 Intro | 02 Blackout feat. DJ GI Joe | 03 Paper Trail feat. Phonte of Little Brother | 04 Driving Down The Block (Low End Theory) feat. Masta Ace | 05 Lucifer’s Joyride feat. Travis of Gym Class Heroes | 06 Snob-Hob feat. Camp Lo | 07 The In Crowd feat. Tim William | 08 Let Your Hair Down feat. Skyzoo and LiL Eddie | 09 Midwest Thang Pt 1 & Pt 2 feat. Black Milk, Guilty Simpson & Fooch | 10 Mr. Alladatsh*t | 11 Sean Na and Buck feat. Sean Price & Buckshot | 12 Life I Know | 13 Drivin’ Down the Block Remix feat. Pusha T (Clipse) and The Cool Kids (Bonus)
Release: 09.05.08 bei Duck Down
|http://www.duckdown.com/|
Künstler-Homepage: http://www.myspace.com/kidzinthehall
cover
Bewertung:
4/5