ast 45 Minuten neue Death Cab For Cutie-Musik. Der siebte Longplayer, eine gute Handvoll Hit Singles, die es zu überbieten gilt. Ein nicht ganz einfaches Unterfangen - schließlich ist die Zahl der sich auf dem Markt tummelnden Indie-Bands seit Death Cab For Cuties Geburtsstunde Mitte der 90er nicht gerade zurückgegangen.
Die größte Aufgabe, die es zu bewältigen gilt, ist wohl: Wie schaffen die das, dass die Stimme von Sänger Ben Gibbard nicht auf die Nerven geht? Immerhin kennt man Gibbards Organ inzwischen seit 10 Jahren und sogar aus dem Fernsehen hat uns der Mann in der Serie “O.C. California” zugeträllert. Das Störende ist, dass er einfach ein kleines bisschen zu quäkig und ein kleines bisschen zu hoch singt, worüber jeder großzügig hinwegsähe, wenn da nicht der Eindruck entstünde, dass das extra hervorgehoben und abgefeiert wird. Und nun geht das ja schon ein paar Jährchen so, sodass einige Ohren rebellieren dürften – auch kratzt es ein bisschen am Image der Band, dass die Scheinwerfer immer und immer wieder auf diese übertrieben-performte Gesangsartistik gerichtet werden müssen. Böse pointiert: Wo man bei anderen Bands wartet, dass der Sänger endlich singt, hofft man bei Death Cab For Cutie, dass der Sänger noch ein paar Takte schweigt. Schade, denn Death Cab For Cutie ist eine ganz große Band. Eine Band, die jede einzelne Note gewichtet mit einem Gespür für vielfältige Melodien und Kompositionen. Death Cab For Cutie lebt Musik. Das zeigt sich schon darin, wie sehr das Quartett aus Bellingham, Washington, im Independent-Business involviert ist: Solotourneen, andere Musikprojekte (The Postal Service) und nicht zuletzt produziert Gitarrist Christopher Walla neben den eigenen Platten auch u.a. Nada Surf.
Aber leider ist auch „Narrow Stairs“ nicht wirklich anders und die Band nicht auf die Idee gekommen, den Gesang einen Gang runterzuschalten. Eines der wenigen schönen Gegenbeispiele ist die Single “I Will Possess Your Heart“ – so klingen die kreativen, progressiven Death Cab For Cutie. Genauso müssen sie sich entwickeln. Der Song nimmt sich über vier Minuten Zeit, um ein instrumentales Inferno zu entfalten, ein immer gleiches Klaviermotiv, unterlegt von Orgel, Gitarre, Basslinie und Schlagzeug. Und wenn Gabbert dann singt, unterwirft er sich den Instrumenten, tremoliert nicht darüber hinweg und bleibt strikt im Rhythmus. Ganz groß.
Auch ein paar andere Nummern auf der Platte heben sich ab. „Grapevine Fires“ oder „The Ice Is Getting Thinner“ sind feine Kompositionen, wenn sie auch die Band ganz und gar nicht vom Klischee der Gebrochene-Herzen-Mädchenmusik befreien. Die Tracks treten in die Fußstapfen von „I Will Follow You Into The Dark“ vom 2005er Album “Plans“. Zwar können die Nummern – auch textlich – nicht an den Erfolg der Hit-Single ranreichen, aber sie prägen sich trotzdem ein, bleiben hängen.
Mit „Narrow Stairs“ haben sich Death Cab for Cutie richtig Mühe gegeben, was man dem Album leider nicht richtig anhört. Es ist nicht atemberaubend und wird wohl in der Diskographie eher ein Schattendasein fristen. Die Singleauskopplung “I Will Possess Your Heart“ stimmt aber unterm Strich versöhnlich und zeigt, dass es eben doch nicht der langweilige Indie-Pop ist, dem sich die Band verschreibt, sondern, dass Death Cab For Cuties Neigung zur unkonventionellen und anspruchsvollen Musik das eigentliche Konzept ist.











