er sido, der ist ja jetzt so erwachsen geworden, sagen sie alle. Reifeprozess, tolle Entwicklung und so. Hat ja auch ein Kind. Man kann ja nicht ewig so rumpöbeln, sagen sie. Uuäääh, sage ich.
Es ist zum Glück nicht ganz so schlimm! sido ist auch auf „Ich und meine Maske“ nicht zu dem Moralapostel geworden, zu dem ihn die Medien jetzt gerade machen, um was schreiben zu können. Aber klar: „Augen auf“ war schon stark anbiedernd. Kinderchor ist ja schon immer so ne Sache, aber sidos Erziehungspredigt wird auch durch augenzwinkernde Lines wie „du musst ein Auge auf dein Balg haben, am besten lässt du’s eine Glocke um den Hals tragen“ nicht deutlich besser. Will ich von dem Typ einfach nicht hören. Dann lieber so was wie „Halt dein Maul“. Das ist sido. Aber der scheint über weite Strecken merkwürdig ausgetauscht. „Strip für mich“ ist eine dreckige Nummer, aber so Sexrap gab es auch schon deutlich raffinierter und motivierter. Kitty Kat beweist auf diesem Track mal wieder, dass sie vor ihrem Album nicht unbedingt thematische Vielfalt beweisen will. Die nächste Sache: Die unsäglichen Pop-Tracks. „Nein!“ mit seiner Freundin Doreen ist ein – ich nenn es mal – leichtgängiger Gute-Laune-Song. Nicht schön! War „Sarah“ auf dem „Ich“-Album noch ganz witzig, ist der Nachfolger „Carmen“ entweder viel zu lang für einen Gag oder viel zu scheiße für ein richtiges Lied.
Was sido bekanntermaßen kann, ist Geschichten erzählen und so ist die Beziehungsgeschichte im Titeltrack „Ich und meine Maske“ auch wieder ein wirkliches Highlight. Die ganze Schizophrenie des teilweise so charmanten und dann doch wieder gemein und böse wirkenden Rüpelrappers wird auf diesem Track erklärt. Zwar ist es kein neues „Goldjunge“ aber auch der Einstiegs-Representer „Wieder zurück“ kann sich auf jeden Fall hören lassen. Ein Statement der ganz besonderen Art, erwartet den Hörer auf Track 6. „Pack schlägt sich“ mit Ex-Erzfeind Azad. Hier gibt es mal erwachsenen Rap im positiven Sinne. Diese ganze Rap-Beef-Kinderkacke wird ein bisschen aufgebrochen und demonstriert, dass man nicht sein Leben lang verfeindet sein muss, weil man mal ein Feature mit jemandem gemacht hat, der mal über einen Crewkollegen von wem anders was böses gesagt hat (oder was die Vögel sonst dazu bewegt, sich ständig anzuzicken). Coole Geste, sehr guter Track. Auf der anderen Seite gibt es dann aber auch wieder Tracks wie „Danke“, das wohl das „Mein Testament“ des neuen Albums werden sollte, aber nicht annähernd die Intensität des Vorgängers erreicht und zwischen „Jeder kriegt was er verdient“ und „Aggrokalypse“ auch seltsam deplaziert wirkt.
Peilerman und Flow sind übrigens auch wieder dabei und sorgen für den einen oder anderen Schmunzler. Das Problem mit dieser Art von Skits (vier auf diesem Album) ist allerdings, dass man nach dem vierten Hören anfängt zu skippen, weil sie so lustig dann auch nicht mehr sind.
Für das einheitliche Soundbild sind wie schon bei „Ich“ Paul NZA und Marek Pompetzki verantwortlich, die ihren Job gewohnt gut machen.
„Maske“ war ein krasses Album. „Ich“ war eine Überraschung und hat das Potential zum Deutschrap-Klassiker. „Ich und meine Maske“ kann da leider nicht mithalten. Es ist ein gutes Album und sido hat sich als Rapper auch deutlich gesteigert, aber für mich ist es der schlechteste Teil dieser Trilogie.
Info: Diese Review bezieht sich ausschließlich auf das Standard-Album ohne Zusatz-CD










