ie Verantwortlichen der Verve Remixed-Compilations machen es richtig: Bislang erschienen die Sampler im gemächlichen Zweijahrestakt. Nur so ist es möglich, dass wirklich nur die großartigsten Nummern aus den legendären Jazz-Archiven des Verve-Labels gepult werden und nur die guten Jungs remixen dürfen.
Der musikalische Schwerpunkt liegt in der vierten Ausgabe mehr im Soul und Rhythm’n’Blues. Gerade bei den tanzbareren Nummern ist das auch mal nicht verkehrt, diese zum Teil sage und schreibe sehr viele Jahre (!) alten Titel in die Hände von zeitgenössischen Diplos zu geben. Denn wo man bei den rascheligen Aufnahmen aus den staubigen Verve-Archiven die Ausschläge in den tieferen Frequenzen nur mit Elektronenmikroskopen erkennen kann, tauchen nach vollbrachter Remixerei mitunter angenehme Basslines auf.
So geschehen etwa bei Marlena Shaws „California Soul“. Der Grund dafür, dass sie die erste Sängerin war, die Blue Note gesignt hat, liegt sicherlich unter anderem in diesem betörenden Stück aus dem Jahr 1968. Hier hat Diplo, Weggefährte von M.I.A., Kanye West oder Gwen Stefanie, seine Erfahrung im Bereich „schöne Banger fürs anspruchsvolle Ohr“ voll ausgelebt. Neben den beherzt aufgemöbelten Tiefen werden der mittlerweile 63-Jährigen unbekümmert Scratches zwischen die Zeilen geschummelt und dem Stück mit den völlig verhallten Claps ein neuer alter Zauber verliehen.
Pilooski, der auch schon Remixe für !K7 und Tru Toughts gemacht hat, vergreift sich hier an einem der beiden hier vertretenen Tracks der legendären Nina Simone, von der zum Beispiel auch „I Put A Spell On You“ ist. Pilooski hat an ihrem Track „Take Care Of Business“ solange herumgeschraubt, bis ein Mix herausgekommen ist, bei dem selbst Gnarls Barkley die Ohren schlackern würden.
Aber natürlich kommt so eine wundervolle Compilation nicht ohne ruhige, gefühlvolle Nummern aus. Sowas konnte Anita O’Day klasse, deren „Tenderly“ mit verträumtem Piano und sanftem Gitarren-Picking von Remixer Mocky endgültig in eine samtene Traumwelt verzaubert wird. Beiläufige, aber komplexe Percussions umspielen außerdem die versonnene Stimme der vor zwei Jahren verstorbenen Sängerin.
Das wunderbarste der Compilation ist vielleicht der Remix vom Cinematic Orchestra. „I Get A Kick Out Of You“ der one and only Ella Fitzgerald schließt nach weiteren Ausflügen in die Bossa Nova und den Afrobeat. Beim pfiffig eingefügten Vinyl-Knistern, weiß man kaum, ob das nun die Platte ist oder von den sich vor Gänsehaut aufrichtenden Haare in Angesicht dieser unsterblichen Stimme. Wow!
Verve Remixed 4 ist ein absolutes Goldstück. Zwar sind das alles keine ganz krassen Digs, aber für die Freunde von 7“ in Hunderterauflage gibt es ja noch andere Adressen. Sämtliche Remixer haben aber ihren Job respektvoll gemacht und es geschafft die alten Stücken so in die Gegenwart zu bringen, dass sie ihren Charme vollends behalten, aber eben nach heute klingen. Der persönliche Stempel ist – natürlich auch abhängig von den Vorlagen – unterschiedlich stark. Allen Titel gemein sind aber die herausragende Qualität und die Tatsache, dass man sich den Weg zu iTunes sparen kann, denn diese Platte muss man komplett haben – zum Chillen, zum Feiern, zum Genießen. Und fürs Image.










