hara Worden aka My Brightest Diamond ist eine zarte Frau, ein bisschen zerbrechlich wirkt sie und gedankenverloren. Aber sie ist eine Rebellin. Nicht Rap, nicht Indie, nicht Emo, nicht Elektro. Kein Hardcore, kein Funk, kein Metal kein Techno. Die New Yorkerin trotzt jedem Genre, missachtet alle Trends und widersetzt sich den Konventionen.
Stattdessen ein paar Stimmübungen, ein paar Arrangements komponieren, ein paar Instrumentalisten zusammentrommeln und schon ist ein halbes Album konzipiert. Shara ist Profi. Sie hat eine Opern-Gesangsausbildung und ihre Fähigkeiten gehen über den Horizont von einem Großteil der im Musikbusiness beschäftigten Künstler hinaus. Zusätzlich zu ihren musikalischen Qualitäten versteht sie es, sich selbst, ihre Gestalt, ihr Aussehen in Szene zu setzen. Shara verkleidet sich gern, schlüpft in fremde Rollen, ist ambivalent und sprunghaft. So etwas wie ein Image braucht sie nicht. In ihrem Leben – so scheint es – gelten andere Regeln.
Und wer eintauchen möchte in dieses kleine Paralleluniversum, der möge belohnt werden. “A Thousand Shark’s Teeth” ist eine zeitlose Platte, die weit über den musikalischen Tellerrand hinaus blickt. Die Musik von My Brightest Diamond ist eher ein Gesamtkunstwerk, das die Grenzen von Dur und Moll überschreitet. Ob “Alice im Wunderland” oder van Gogh, Tom Waits oder Anselm Kiefer – alles, was die Künstlerin irgendwie in sich aufnimmt, findet auch den Weg in die Musik. Und so ist „A Thousand Shark’s Teeth” keinem Stil untergeordnet, verfolgt kein dogmatisches Poprezept, sondern verbindet ein klassisches Streichquartett mit Elektronica, mit Dissonanzen und einem tonalen Spektrum von Sopran bis Sprechgesang. Und schließlich steckt im Kern dieses Albums etwas sehr Besonderes und Seltenes: Zeit. Sechs Jahre durfte es sich entwickeln, reifen, ruhen. Einige Songs entstanden noch vor Sharas Debüt „Bring Me The Workhorse“. Man merkt dem Album diesen Reifeprozess an. Auch die Inhalte der Songs spielen mit den Themen Zeit und Raum, und damit, wie das Ich sich in Zeit und Raum bewegt: ”Many of the songs on ‘A Thousand Shark’s Teeth’ focus on the detail of personal relationships reflected in the macro of the cosmos. There is also that idea of being very very small, or very large, like ‘Alice in Wonderland’ shrinking and growing.” – So Shara im Interview über das Thema der Platte.
Das Ergebnis ist von der ersten bis zur letzten Sekunde hörenswert. Wahrscheinlich wird die Platte nur eine kleine Schar von Liebhabern gewinnen können – zu unkonventionell ist das Konzept, zu unverträglich mit dem Geschmack der Mehrheit. Dabei ist “A Thousand Shark’s Teeth” keineswegs zu intellektuell oder anstrengend. Das Album lädt zum Träumen ein („To Pluto’s Moon”), kann aber auch flott und schnörkellos geradeaus klingen („Inside A Boy“). Ein ungewöhnliches und schönes Stück Musik.










