in Album mit Jazz-Standards aufzunehmen ist immer eine heikle Geschichte. Liedern, die schon tausendfach an anderer Stelle stattfanden, wirklich noch etwas Eigenes und Neues hinzuzufügen gelingt leider bei weitem nicht Jedem.
Nun ist aber Cassandra Wilson keine x-beliebige Jazz-Röhre, die sich nicht anders zu helfen weiß, als auf altbekannte Standards zurück zu greifen. Die zweifache Grammy-Gewinnerin weiß, was sie macht, wenn sie sich nun wieder auf den Anfang ihrer Karriere besinnt und wie damals neues Leben in alte Lieder haucht.
Für diese Aufnahmen hat sich Wilson ein Haus in ihrer Heimatstadt Jackson in Mississippi gemietet und mit der kompletten nötigen Technik ausgestattet. Dann hat sie ihre befreundeten Spitzenmusiker eingeladen und angefangen über den Songs zu brüten. Mit ihrer fünfköpfigen Band, bestehend aus Marvin Sewell (Gitarre), Jason Moran (Piano), Herlin Riley (Drums), Lonnie Plaxico (Bass) und Lekan Babalola (Percussion) hat Wilson eine perfekte Kombo für ihre zurückhaltend instrumentierten Interpretationen gefunden. Einen bedeutenden Einfluss auf den Sound von „Loverly“ hatte vor allem Babalola, ein Nigerianer, der in London lebt. Der Mann ist ein Priester der Yoruba-Religion und offensichtlich ein wandelndes Lexikon, was westafrikanische Rhythmen betrifft. So hat er zu den Songs, bei denen es passte, die westafrikanischen Drum-Muster herausgefunden und eingespielt. Das verleiht Tracks wie „Dust My Broom“ einen wirklich sehr eigenen Vibe. Eine deutlichere Präsenz von Babalola wäre ein vielleicht noch anregender gewesen.
Zu Cassandra Wilsons großartiger Stimme muss man eigentlich nicht mehr viele Worte verlieren. Ihre kraftvolle, souveräne Art ist beeindruckend und hat eine Substanz die leider vielen Sängerinnen auch im Jazz-Bereich fehlt.
Die Auswahl der Songs, bei der sie von Blue Note-Chef Lundvall unterstützt wurde, ist vor allem deswegen sehr angenehm, weil eher auf unbekanntere Standards gesetzt wurde und die ganz abgenudelten Dinger außen vor gelassen wurden.
„Loverly“ ist ein klasse Album und der Beweis, dass es immer wieder gelingt aus Jazz-Standards die über 70 Jahre auf dem Buckel haben, aktuelle und nach wie vor begeisternde Musik zu machen. Ist zwar alles nichts, was man unbedingt gehört haben muss, aber für späte Stunden auf dem Balkon braucht man so was.










