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"Hell's Kitchen" von Jazzkantine
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"Hell's Kitchen" von Jazzkantine

ack to the roots – diese Floskel benutzen etwas in die Jahre gekommene Bands gerne mal zum Beschreiben ihres letzten Werkes und meinen damit oft eine Rückkehr zu ihren musikalischen Wurzeln. Gleichzeitig beinhaltet der Ausdruck auch eine Reduzierung auf das Wesentliche – keine Experimente, nur der pure Ursprungssound. Bei vielen Bands findet man denn auf back to the roots-Platten auch keine wirkliche musikalische Überraschung, sondern eben den aus den Anfangsjahren bekannten Sound wieder.

Bei einer mit allen musikalischen Wassern gewaschenen und vielseitigen Band wie der Braunschweiger Jazzkantine kommt man jedoch ins Grübeln, wenn deren Bassist und Mastermind Christian Eitner im Interview davon spricht, dass die Band mit ihrem neuen Album “Hells Kitchen” zu ihren Wurzeln zurückgekehrt sei – was waren denn bitteschön deren Wurzeln? Der Spaß-HipHop à la “Krankenhaus” oder “Kein Bock”, der der Band gegen Ende der 90er Jahre einige Popularität bescherte? Jazzstandards wie “Autumn Leaves”, die schließlich die handwerkliche Basis für Jazz und Improvisation bilden? Oder doch eher der Sound von Funk- und Soulformationen wie Earth, Wind & Fire und Tower of Power?

Weit gefehlt: Ist hier von musikalischen Wurzeln die Rede, so sind damit die Rock- und Metalbands der 80er Jahre gemeint, wie van Halen, AC/DC und Metallica. Die meisten Bandmitglieder sind mit dieser Musik aufgewachsen und haben sie auch in ihren Anfängen selbst gespielt. So finden sich denn auch in der Tracklist ausschließlich Stücke wieder, die heute auf keinem “80s-Best-of-Rock-Sampler” fehlen dürfen, und der potentielle Käufer mag sich beim Lesen mit Grausen abwenden und sich denken: Was hat die denn da geritten? Braucht die Welt wirklich noch eine weitere Platte mit schlechten Rockcovern?

Doch auch hier: Weit gefehlt. Die Jazzkantine schafft es tatsächlich, den Songs Neues abzugewinnen und legt mit “Hells Kitchen” innovatives Material vor.. Dies gelang jedoch nur durch einen mutigen und gnadenlosen Umgang mit den Originalen: “Highway to Hell” wird zur Bigband-Swingnummer (mit Gastsänger Tom Gaebel), “Ain't talking 'bout Love” wird durch Dr. Ring Ding zum Reggae-Dub und Xavier Naidoo macht aus “Nothing Else Matters” eine gefühlvolle Soulballade. Das mag nicht jedem gefallen, der die Originale kennt und schätzt, nötigt aber mindestens Respekt ab für die soundmäßige Neugestaltung einiger schon etwas ausgelutschter Songs.

Dabei bleibt der typische Jazzkantine-Sound zwar in seinen Grundzügen erhalten, wird jedoch ebenfalls einer strengen Prüfung unterworfen: Jan-Haie Erchinger spielt das Rhodes funky wie immer, benutzt jedoch z.B. bei “Paranoid” einen Verzerrer. Gitarrist Tom Bennecke lässt seine Licks immer noch gerne von Rhodes oder einem Melodieinstrument doppeln, benutzt jedoch eine alte halbakustische Jazzgitarre, die einen deutlich aggressiveren Klang hat als seine alten Aufnahmen. Besonderen Verdienst an der musikalischen Innovation haben die Bläser-Arrangements von Trompeter Christian Winnighof, die die Songs sowohl harmonisch wie auch rhythmisch ergänzen und erweitern.

Eins bleibt jedoch festzuhalten: Vom HipHop hat sich diese Band weitestgehend verabschiedet. Raps finden sich kaum noch, Cappuccino scheint sein Glück im Reggae gefunden zu haben und singt sogar auf “Paranoid” und “Iron Horse”. Tachiles agiert nur noch äußerst eingeschränkt auf der Platte, worüber man allerdings nicht so richtig traurig sein mag. In dieser Richtung wäre vielleicht dennoch bei “Hells Kitchen” ein bisschen mehr möglich gewesen, schließlich kann man z.B. einen Gast wie Dr. Ring Ding auch gut und gerne mal ein paar Zeilen rappen lassen.

Doch wer weiß, vielleicht überrascht uns die Kantine mit ihrem nächsten Album wieder – Klassiker der sinfonischen Musik mit Raps und HipHop-Groove? Popsongs auf Acidjazz? Oder vielleicht auch wieder Eigenkompositionen? Wir sind gespannt und lassen uns gerne überraschen.

F. Haller
titel
01 Highway to Hell | 02 Jump | 03 Nothing Else Matters | 04 Iron Horses | 05 Ain't talking 'bout Love | 06 Back in Black | 07 Smoke on the Water | 08 Paranoid | 09 I was made for loving you | 10 Walk this Way | 11 Strong Arm | 12 Hell's Bells
Release: 04.07.08 bei Sashimi Records
|http://www.sashimirecords.com/|
Künstler-Homepage: http://www.jazzkantine.de
cover
Bewertung:
4/5