och bevor der Begriff Dubstep seinen Kreuzzug durch die Clubwelt antrat, hat Kevin Martin aka The Bug schon Musik gemacht, die man heute unter diesem Genre führt. „London Zoo“ mit seinen zahlreichen MC-Features zeigt aber besonders auch die Schnittmengen von Dubstep mit Ragga, Dancehall und Future Dub. Aber wieso „London Zoo“?
Beim Titel bleibt natürlich Raum zum Spekulieren. Kann gut sein, dass „London Zoo“ darauf anspielt, dass dieser Tage der Blick der Club-Welt viel mehr auf London gerichtet ist als auf irgendeine andere Stadt auf diesem Planeten. Ob da ein kritischer Unterton mitschwingt (viele der Londoner Dubstep-Artists haben ja so ihre Problemchen mit der Popularität) – keine Ahnung. In jedem Fall nutzt The Bug die Öffentlichkeit, um einige Zoo-Bewohner vorzustellen, die noch nicht zur Stepper-Premier League gehören.
Einer davon ist der weibliche MC Warrior Queen, die mit ihrer nerdigen Stimme (erinnert leicht an M.I.A.) schon mal eine hervorragende Voraussetzung hat, auch in Zukunft zu einer gefragten Protagonistin im Süden Londons zu werden. Der Track „Poison Dart“ mit ihr ist schon 2007 erschienen. Und wenn er damals als 12“-Release nicht genug Aufmerksamkeit bekommen hat, dann spätestens mit der Steppas’ Delight-Compilation von Soul Jazz Records. Ist halt einfach einer der fünf Smash-Hits der jüngeren Dubstep-Geschichte. Zweiter Track mit der Kriegerin ist „Insane“, bei dem Annette Henry wie sie im wirklich Leben heißt auch flott drauf lost toastet. Ragga-Einfluss to the fullest, Höhepunkt ist die Bridge am Ende mit verzerrter Industrial-Bassline.
Weiterer MC, der hier mächtig auf den Putz haut, ist Flowdan, den Grime-Freunde von der Roll Depp-Crew kennen. Aber wer weiß wie lange der da noch ist – so erfolgreich sind seine Features mit The Bug. „Skeng“ beispielsweise erschien eigentlich schon 2007, seither Stammplatz in den Dubstep-Sets aller anderen Größen im Game. Gleiches gilt für „Jah War“ (auch mit Flowdan), das Mary Anne Hobbs für ihre erste Dubstep-Compilation auf Planet Mu aussuchte. Klar, das sind die ganz großen Banger. Aber die kennt man dann eigentlich auch schon und die sind auch schon so lange auf dem iPod, dass man die wahrscheinlich da auch gar nicht mehr runter kriegt. Mehr neuer Scheiß wäre gut.
Zumal ja The Bug auch nicht verlernt hat, wie man gute Musik produziert. Davon zeugen wiederum Titel wie „Freak Freak“, das die dubbige Großstadt-Kälte von Burial hat, aber noch stärker mit straighter Bassline nach vorne geht, als man es vom scheuen Meister selbst kennt. Oder auch „Warning“ (wiederum mit Flowdan). Der Track rückt die apokalyptisch-brachiale Seite des Dubsteps in den Vordergrund und wird sicher bald zum Höhepunkt in verschiedenen Sets werden wird.
Auch nicht vergessen sei der Track „Angry“, der gerade als Single erschien und das Album eröffnet. Erneut trifft hier Ragga-Flavour des Toastings, hier von Tippa Irie, auf unschlagbare Production-Skills. Der zunächst sehr stoisch wirkende Beat entfaltet doch zunehmend mehr Details und zeigt damit auch die Klasse von The Bug.
Es ist skurril: Wären „Skeng“, „Jah War“ und „Poison Dart“ als mittlerweile doch sehr einschlägige Überhits hier nicht dabei und stattdessen drei neue Stücke auf dem wirklich sehr hohen Niveau des restlichen Albums würde ich sagen: TOP5-Dubstep-Album ever. Und das ist es wahrscheinlich auch, auf jeden Fall aber für Leute, denen (wie auch immer) diese drei Tracks bislang durch die Lappen gegangen sind. Als Bug-Fan bleibt trotz großer Freude über dieses herausragende Album aber das kleine Kümmernis einer blue note.










