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"Let Me In" von Sorgente
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"Let Me In" von Sorgente

enn im Promotext die Rede von einer recht normal besetzten Band aus München ist und die Namen von Literaten von Camus über Kafka bis Erich Fried fallen, dann wird dadurch die Erwartungshaltung nicht besonders niedrig. Die Erwartungshaltung ist dann eigentlich völlig im Arsch. Dabei lässt die Musik eher denken an: Beste Club- und Funk-Combo des Jahres!

Wirklich seltsam. Eigentlich hatte die Band Sorgente ziemlich gehadert, ob sie überhaupt ein Album nach dem 2006er Debüt „First… And Then?!“ machen sollten. Zwar spielten sie fette Konzerte und rockten P!ink Support-Shows, aber irgendwie fehlte ihnen die Perspektive. Gott sei dank, hat Sorgente sich dann doch entschieden ein Album zu machen, das dann aber auch das geilste Album ever werden sollte. Guter Vorsatz. Nervt ja eh, dass so viele deutsche Bands sich immer nur trauen kleine Brötchen zu backen. Die Münchner wollten dann schon auch gerne produktionstechnisch alles toppen, was bislang dagewesen ist – und zwar in allen Genres und Musikepochen, die hier durchsurft und geclasht werden.

Die 11+1 Tracks auf „Let Me In“ reichen von funkigem Oldschool-Rap wie bei „Mister Miller“, das erschreckt afroamerikanisch für süddeutsche Verhältnisse klingt, bis zu Rock-Songs wie „Alive“ oder „High All Night“. Angenehm immer: Absolut voluminöser Sound, Waa-Waa-Gitarren, Offbeats und sonstiger geiler Funk-Scheiß immer dabei.

Zwischen diesen Extrempunkten geht aber noch wesentlich mehr. „Spacelord“ ist ein grandios gemütlicher Sommer-Popsong, der weder in Sachen Sound noch Gesang den Vergleich mit Robbie Williams scheuen muss (dafür hasst mich jetzt vielleicht die Band). Der Titeltrack „Let Me In“ oder auch „Good Lookin“ klingen nicht nur wie Prince, sondern sind auch mindestens so geil. Smoother Funk mit gleichzeitig maximalem Groove.
Dabei hat hier nicht Timbaland Remakes vom Prinzen zusammengeklickt, sondern 6 Männer haben Instrumente benutzt. So welche, die man anfassen kann. Das zusätzliche Equipment ist auch weitestgehend analog. Dabei verstärkt der organische Sound nur noch die futuristische Griffigkeit des Klanges, als dass die normalen Instrumente ein Handicap in diesen musikalischen Bereichen wären.
Was diesem Album noch wirklich gut tut, ist das letzte Stück „We Are The Same“, nach dem nur noch der Bonustrack kommt. In über siebeneinhalb Minuten verschmilz ein überragendes Musikverständnis Clubsounds, Postrock und Pop. Großartig.

Das einzige Manko der Band ist wahrscheinlich ihre Nationalität. Einigen deutschen Bands wurde schon der völlig verdiente Durchbruch – auch in die internationale Liga – leider verwehrt. Deutschland ist halt angeblich nicht das hippe Land der stilprägenden Musiker. Ohne Scheiß: Sorgente ist der Gegenbeweis für dieses Vorurteil.

S. Krutzinna
titel
01 Alive | 02 Partytime | 03 One Time | 04 I Got All | 05 Spacelord | 06 Let Me In | 07 Good Lookin | 08 Mister Miller | 09 High All Night | 10 Push Ya Body | 11 We Are The Same
Release: 08.08.08 bei Sorgente Music
|http://www.sorgente-music.com|
Künstler-Homepage: http://www.sorgente-music.de
cover
Bewertung:
5/5