igentlich mag ich keine Künstler, die sich oder ihren Platten frivole Namen geben: unschöne google-Hits bei der Internetrecherche, ein peinliches Grinsen im Plattenladen, hochgezogene Augenbrauen von Freunden – jedes Anpreisen solcher Musik setzt erstmal mit einer Defensive an.
Warum sich Bardi Johannsson nun hinter dem Pseudonym Bang Gang versteckt – keine Ahnung. Vielleicht ist das einfach witzig, vielleicht interessiert er sich aber auch besonders für die Porno-Szene, immerhin ist er Regisseur von Islands erster TV-Erotik-Show. Egal. Macht er halt Porno. Hat Lars von Trier auch gemacht. Bardi Johannsson ist als Künstler eben tabulos und produziert Werbe-Jingles für Armani oder Yves Rocher oder die französische Bahn. Wenn man nebenbei noch Zeit hat (und dann eben auch Kohle) um allerfeinste Popmusik zu produzieren, ist das völlig legitim. „Ghosts From The Past“ ist Johannssons dritter Longplayer. Die beiden Vorgänger-Platten haben mit ihren seichten Melancholie-Ausbrüchen schon auf witzige Weise das knallharte Pseudonym konterkariert.
Die neue Platte soll laut eigener Aussage „härter“ sein, sogar „das Härteste“, das Bardi Johansson je gemacht hat. Kann man unterschreiben, wenn man auch Simon & Garfunkel hart findet. „Ghosts From The Past“ übersteigt in Wirklichkeit nie die Tempobezeichnung des Moderato. Auch stimmlich erinnert das wenig an Slayer oder Pantera. Der hochgewachsene, blasse Isländer ist eher Tenor. Fragilität und schönes Songwriting. Der obligatorische Island-Hint darf an dieser Stelle mal wegfallen. Mit Elfen und Geysiren hat das herzlich wenig zu tun. Im Gegensatz zu manchen Landsmännern oder -frauen, man denke an Sigur Rós oder Björk, ist „Ghosts From The Past“ wesentlich kosmopolitischer angelegt. Nicht, dass besagt Kollegen nicht auch im Ausland funktionieren – sie funktionieren aber vor allem Dank des verklärten Island-Kitsches.
„Ghosts From The Past“ passt – egal wann und wo. Man merkt dem Album an, dass Johannsson Erfahrung mit Filmmusik hat. Die Platte ist durchaus ein bisschen pompös, ein bisschen dramatisch. Gesangsstimmen werden übereinander gelegt, ein poppiges Klavier und endlos langsames Schlagzeug, dazu die obligatorischen Synthie-Einlagen. Fast wie in Disney-Filmen. Passt aber sowohl zum Tee trinken am Nachmittag, als auch zum Ausklang einer Club-Nacht.
L. Krutzinna










