wei Jahre ist es her, da ließ Aren Emirze alias Emirsian die Toten auferstehen. Besser gesagt einen Toten, nämlich seinen kurz zuvor verstorbenen Vater. Er fand Tonbandaufnahmen und Noten im Nachlass – so endete das Konzept-Album mit einem geisterhaften Duett von Vater und Sohn. Der Nachfolger “Yelq” schafft es tatsächlich, daran anzuschließen.
Zuletzt machte Aren mit seiner Band Harmful Furore. Die Frankfurter nahmen nicht nur ihr siebtes Album auf, sondern auch Ex-Faith No More-Mann Billy Gould als Bandmitglied. “Yelq” heißt jetzt die neue Platte von Emirsian, das armenische Wort bedeutet soviel wie “Umbruch” oder “Neuanfang”. Schon der Beginn des Albums macht klar, dass Aren wieder mit Konzept agiert. Der erste Song heißt “Komitas”, dauert 43 Sekunden und setzt da an, wo das Debüt “A Gentle Kind Of Disaster” aufgehört hat: Es ist wieder ein Duett von Aren und seinem Vater Karekin Emirze; die Aufnahmen stammen von der gleichen Kassette. Nach diesem Intro aber geht es erst so richtig los: Ein Emirsian-typisches Gitarrenzupfmuster setzt ein, dumpfe Percussions und Stimmen im Hintergrund, Aren singt ”And the sun shines on”. Richtig: Der Sonne ist es eben scheißegal, ob wir jemanden verloren haben.
“Failure Tales”, so der Name des Stückes, ist dann auch einer meiner Favoriten auf “Yelq”. Der Song macht gleich klar, dass es mit der beklemmenden Stimmung von “A Gentle Kind Of Disaster” erstmal vorbei ist. Arens Songwriting klingt hoffnungsvoller, greift in “Surprise, Surprise” auf einen Frauenchor und in “Radio On” sogar auf ironische Stilmittel zurück; anders lässt sich der Einsatz eines Auto-Tune-Effekts wohl kaum erklären. Es gibt mehr harmonische Überraschungen; man muss aber auch sagen, dass die Songs dadurch nicht mehr so griffig sind.
Arens Stil wandelt sich. Zwar lässt er die Gitarrensaiten wie gewohnt gerne mal schnarren und ploppen, setzt beim Gesang aber Delay (“Surprise, Surprise”) und in “Radio On” ja sogar das angesprochene Auto-Tune ein. Diese Effekte nehmen dem Projekt natürlich die Authentizität, werden aber zum Glück auch nur punktuell und sehr bewusst eingesetzt.
Die Interpretation des armenischen Volkslieds “Ach Baber” gelingt Aren angenehm unkitschig. Emirsians Markenzeichen, die heisere Stimme, scheint hier besonders nah und lässt Gedanken an Schlagerparade gar nicht erst aufkommen. Aren überschreitet Grenzen nicht nur ins Reich des Todes, sondern auch nach Innen – er erforscht seine eigenen kulturellen Wurzeln. Für Menschen ohne diese Wurzeln wird das Zuhören auf Dauer aber schon etwas anstrengend.
Aren hat sein Projekt jetzt in größere Gewässer geschifft, wo sich eine Erschütterung wie “A Gentle Kind Of Disaster” nur sehr schwer wiederholen lässt. Trotzdem verhallt “Yelq” nicht ungehört, und das ist auch gut so. Man spürt, dass Emirsian in der Lage ist, auch in diesem Maßstab größere Wellen auszulösen – und darf gespannt sein, wie es weitergeht.











