it deutschsprachiger Musik lässt sich einiges assoziieren. Häufig totaler Shit. PeterLicht zeigt, dass jenseits von den Ärzten, von Xavier Naidoo, jenseits von Clueso und Ich + Ich deutsche Texte ohne Plattitüde, ohne Kitsch und ohne Peinlichkeit ins Mikrophon gesungen werden können.
Dabei wird PeterLicht auf „Melancholie & Gesellschaft“ wirklich provokant. Wie ein Klavierschüler, der gerade mit der Harmonielehre vertraut gemacht wurde, mollt er seine Kadenzen rauf und runter. Unterstützt von zarten Streichern und Gitarre – das Schlagzeug kommt längst nicht in jedem Track zum Zug, geschweige denn irgendwelcher NDW-Trash, dem sich PeterLicht noch auf seinen Vorgänger-Alben gerne mal verschrieben hat. Dazu lieber ein stimmlich glasklarer Refrain auf ‚nein’ („Räume räumen“). So ist PeterLichts stiller Protest.
Denn auch wenn außen alle Kanten abgeschliffen wurden, so ist „Melancholie & Gesellschaft“ im Inneren systemkritisch wie man es von PeterLicht gewohnt ist, mal mehr, mal weniger offensichtlich. Da ist zum Beispiel das herrlich-echauffierte „Stilberatung/Restsexualität“. „Bitte nie mehr Sexualität zeigen. Bitte nie mehr und nirgendwo im Zusammenhang mit euren Produkten. Bitte nie mehr Haut und nie mehr Po. Bitte Licht ausmachen und schweigen. Bedeckte Körper sind in Ordnung! Kleidung ist in Ordnung!“ Da ist aber auch das bekloppte „Trennungslied“ mit einfallsreichen Versen wie „Berta trennt sich von Pelle, Bertie tritt an die Stelle“, die sich dann paargereimt weitermäandern. „Hauptsache wir sitzen am Ende alle im selben Heim, denn ohne all die andern Getrennten möchten wir nicht alleine sein“ – Ist das PeterLichts neue Botschaft an die in die Jahre gekommenen 68er?
Vergänglichkeit, Veränderung, Freundschaft. PeterLicht ist viel ernsthafter als früher. Seinen Freunden vom leidenden Leben attestiert er Öl im Gefieder. „Was sollten wir anderes sein als frei“, fragt er sie. In der Not hilft eben Utopie und Optimismus: Der Traum geht weiter!
Ganz schön poppig, aber auch ganz schön gut. PeterLicht holt die versoffensten Punks in die spießigsten Provinztheater, setzt sie dort neben Germanistikprofessoren und entertaint alle gleichermaßen. Das schafft weder die Hamburger Schule noch Aggro Berlin.










