ine große Gefahr beim Downbeat-Genre ist, in die Gefilde der “Nebenbei-Musik” zu schliddern. Das ist die unsägliche Mucke, bei der man sich mit einem Buch in der Hand abwendet – meist “Lounge”- oder “Chill-Out”-Musik genannt. “Less Is More”, das Debütalbum des ungarischen Duos Gelka, im von mir entwickelten “Lounge-Test”.
Die Prüfkriterien lassen sich natürlich noch erweitern. So entfalten manche Alben ihre Reize proportional zu der Dichte marijuana-geschwängerter Luft bzw. der jugendlichen Hörer. Was toll sein kann, heute aber eben nicht auf dem Speiseplan steht. Ich spaziere lieber mit offenen Augen durch die 60 Minuten von "Less Is More".
Der Titel ist dabei schon ein erster Hinweis, bzw. hilfter überhaupt nicht weiter: Für mich ist “weniger ist mehr” eine Mischung aus Plattitüde und Kunstmaxime. Daher wirds endlich Zeit, mal die Musik der beiden Ungarn Sergio und Alex anzuhören. Und da muss ich ganz klar sagen: Test bestanden. Gelkas Tracks sind zwar unheimlich smooth und stellenweise sicher auch ein wenig meditativ, aber alles andere als einschläfernd. Gleich der Opener “So Many Ways”, eins von drei Stücken mit der aus Ghana stammenden Sängerin Sena, macht mit abgeklärter Bassline, angemessen-souligem Gesang und hervorragendem Keyboard-Sound alles klar.
Auch die andern Features auf “Less Is More” sind hochkarätig: Ricky Rankings Auftritte im drolligen “Burlesk” und, rappenderweise, in “Eau Rouge Pt 2” machen einen soliden Eindruck, Ella May aber landet in “Soon” einen Volltreffer. In solchen Momenten lassen sich Gelka sogar mit ihrem Förderer E.A.S.E. aka Nightmares On Wax messen. Den hatte Sergio 2005 für ein Musikmagazin interviewt, die beiden verstanden sich prima, Sergio schickte ihm einige Gelka-Songs per Mail, E.A.S.E. war begeistert und nahm das Duo bei seinem Label Wax On Records auf. Bei “Less Is More” hatte er auch als executive producer seine Finger im Spiel.
Herausgekommen ist ein wunderschönes Album, das man wirklich nicht als Buchmusik missbrauchen sollte. Wegen der klaren, abgestoppten Gitarrenakkorde; wegen der freundlich-traurigen Posaune; wegen der herrlich hintergründigen Beats; wegen des an die Musique concrète der 40er und 50er Jahre erinnernden letzten Songs “Tea Kettle’s Dream”. In dem bauen Gelka ein Szenario auf, das ihr dann bitte vor oder erst nach dem Genuss von “Less Is More” imitiert: Neben einer munter tuckernden Kaffeemaschine hört man ein herzhaftes Schnarchen.











