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"Carried To Dust" von Calexico
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"Carried To Dust" von Calexico

s gibt wieder ein neues Album von Calexico, das sechste in elf Jahren. Im Vorfeld konnte man den Song „Two Silver Trees” hören, der eine Fortsetzung der „poppigen” Gangart des Vorgängers „Garden Ruin” anzukündigen schien. Aber: Weit gefehlt! Tatsächlich vereint die Alternative-Country-Band auf „Carried To Dust” ihre bisherigen Stärken.

Klar, „Garden Ruin” war einigen Fans zu nah am Mainstream; zu schmal gesät, um all die Wurzeln der Erfolgsgeschichte von Calexico einzubeziehen. In der unglaublich großen Fläche des amerikanischen Südwestens und Mexikos schien die Band diesmal einen kleineren Bereich abzugrasen. Weniger Mariachi-Trompeten, eingängigere Rhythmen, kein einziges Instrumental. Mit seiner sanften, aber eindringlichen Reflexion der Konsequenzen US-amerikanischer „Außenpolitik” ließ sich „Garden Ruin” trotzdem nicht leicht schlucken.

Als dann vor einigen Monaten eine neue Calexico-Platte angekündigt wurde, war man ob des weiteren Wegs der Band geteilter Meinung. Der Gratis-Download „Two Silver Trees” fühlt sich unheimlich weich an, könnte irgendwie auch von jeder anderen Indie-Pop-Band à la Death Cab For Cutie stammen – wenn da nicht diese für Calexico typische Magie wäre. Joey Burns’ Gesang kommt wieder etwas leiser geflüstert, die Songs lassen sich mehr Zeit, wollen weniger Pop-Schemata erfüllen, die Gitarre ist wieder etwas in den Hintergrund gerückt. Kurz: Die Band hat sich offensichtlich wieder ein paar Wochen nur von Wüstenstaub ernährt.

Wie könnte man auch sonst so unkitschig mystisch klingen? „Carried To Dust” ist ein Rückgriff auf alte Tugenden, und das ist ganz wunderbar. Zumal der zarte Seitenblick auf das politische Geschehen nicht vergessen wurde: Schon im Opener „Victor Jara’s Hands” wird dem chilenischen Sänger, Musiker und Theaterregisseur Victor Jara gedacht, eins der prominenteren Opfer des Pinochet-Regimes. „His story resonates with a lot of what is going on today” sagt Burns dazu und meint damit auch, dass die CIA in Chile ihre schmutzigen Finger im Spiel hatte. Damit in einer Reihe zu sehen ist das wahnsinnig düstere „Red Blooms”, welches den amerikanischen Kontinent verlässt und plötzlich ein russisches Gulag zum Handlungsschauplatz erhebt. Die größte Faszination bringen Joey Burns und John Convertino, die beiden Männer hinter Calexico, aber für die Natur auf. Die beiden „Silver Trees” und der „Man Made Lake” deuten an: Der Mensch hat bereits jetzt komische Veränderungen seines Lebensraums bewirkt.

„Carried To Dust” beweist, dass diese Band doch immer noch immer wieder ein kleines bisschen besser wird, wenn sie phasenweise dann auch wieder ein bisschen zu altbacken wird. Sie begehen halt einen schmalen Grat, dem ein Schlager wie „Inspiracion" für meinen Geschmack ein wenig abhanden kommt. Ihren Teil tragen dazu auch viele Gastmusiker bei, unter denen sich Sam Beam von Iron & Wine, Douglas McCombs (Eleventh Dream Day, Tortoise), die spanische Sängerin Amparo Sánchez (Amparanoia) und die kanadische Sängerin Pieta Brown befinden. Burns: „The collaborative side to what we do is probably most recognizable on this album”. Zuletzt hatten Calexico ja einige Songs für Todd Haynes’ Dylan-Film „I’m Not There” beigesteuert und dabei schon mit berühmten Gastmusikern gearbeitet. Calexico-Songs tauchen generell immer öfter auf Soundtracks auf. Dabei muss man nur die Augen schließen und gut zuhören – schon wird man von alten Legenden umschart, durchquert eine Wüste per Highway oder liegt frierend im Schnee.

K. Haller
titel
01 Víctor Jara's Hands | 02 Two Silver Trees | 03 The News About William | 04 Sarabande in Pencil Form | 05 Writer's Minor Holiday | 06 Man Made Lake | 07 Inspiración | 08 House of Valparaíso | 09 Slowness | 10 Bend to the Road | 11 El gatillo (Trigger Revisited) | 12 Fractured Air (Tornado Watch) | 13 Falling from Sleeves | 14 Red Blooms | 15 Contention City
Release: 05.09.08 bei Cityslang
|http://www.cityslang.com/start/|
Künstler-Homepage: http://www.casadecalexico.com
cover
Bewertung:
4/5