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"Remixes" von SebastiAn
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"Remixes" von SebastiAn

ie Metapher, dass ein Musiker einen Teufelspakt eingegangen ist, wird ja gerne mal bemüht, wenn eine Platte ein bisschen verrückt klingt. Das Remix-Album von SebastiAn lässt allerdings eher daran denken, dass sich Mephisto himself an die Arbeit gemacht hat: Völlig fremd, völlig wirr, verstörend to the fullest und vor allen Dingen: Today’s heißester Clubscheiß.

Erstmal ist ja schon großartig, dass SebastiAn nicht einfach nur seine Ed Banger Labelmates remixt oder besonders unbekannte Künstler aus der Pariser Banlieue. Vielmehr wird so ziemlich alles von Rang und Namen durch seinen Remix-Fleischwolf gedreht. Witzig eigentlich, dass der Elektro-Musiker mit Rap-Hintergrund irgendwie eine Vorliebe für Indie-Rock hat. Wobei man den ursprüngliche Style des Tracks eigentlich nur noch erraten kann.
The Rapture klingen auf einmal wie Daft Punk, deren Rechner sich zeitversetzt in Loops aufgehängt haben. Alan Donohoe von The Rakes klingt im Remix von „We dance together“ wie Depeche Mode, wobei auch die Instrumentierung nicht unwesentlich 80ies-Feeling abbekommt. Alison Mossharts Stimme (The Kills) macht sich in dem Remix von „Cheap And Cheerful“ hervorragend und erinnert dabei sogar ganz schön an Label-Kollegin Uffie. Der Track ist vielleicht der Ed Banger-typischste (darf man bestimmt nicht sagen sowas): Clicks & Cuts in Clubform, zerbrochene – nein – völlig zerstörte Beats, Rauschen, undurchschaubar sich überlagernde und shiftende Drumpatterns und unglaublich feierbar.

Der Remix von „I Still Remember“ von Bloc Party ist auch witzig. Als wäre er der größte Bloc Party-Hater auf der Welt, stellt SebastiAn dem Original ein sehr schräges Intro voran um Kele Okereke bei seinen ersten Zeilen sofort mittels eigentlich noch schrägerem Midi-Piano übern Mund zu fahren und schließlich bis auf einen Loop der Gesangspur auf den ganzen Track zu scheißen und stattdessen einen tonnenschweren Synthie auszupacken. Kein Zweifel, dass der im Anschluss auch wieder unter unnachvollziehbaren Rhythmus-Verrenkungen zerstückelt wird.
Maria Eilersen, Sängerin von Revl9n, machte leider den Fehler in „Walking Machines“ ein bisschen zu laut zu atmen. Im Remix klingt sie jetzt wie eine Protagonisten in einem Porno von John B. Root, in denen SebastiAn übrigens in letzter Zeit als Komparse auftauchte.

Das Gute bei Electro-Künstlern mit Hip-Hop-Hintergrund ist immer, dass sie bei allen Verrücktheiten, die sie machen (und von wimmelt es hier wirklich), niemals aus den Augen verlieren, dass die Musik auch im Club funktionieren sollte. Und dieser Ed Banger-typischen Prämisse – das darf man jetzt aber sagen – bleibt SebastiAn definitiv mehr als treu. „Remixes“ ist extrem innovativ, selbstständig und völlig losgelöst von allem was es sonst so gibt da draußen. Busy P geht nicht zu weit, wenn er von SebastiAn als dem „musikalische Genie von Ed Banger Records“ spricht, denn den Beweis dafür erbringt er nicht zuletzt mit dieser Platte.

S. Krutzinna
titel
01 Intro | 02 Revl9n – Walking Machine | 03 Daft Punk – Human After All | 04 Mylo – Paris Four Hundred | 05 The Rapture – Get Myself Into It | 06 Editors – Camera (fader) | 07 The Rakes – We Danced together | 08 Kelils – Bossy | 09 The Kills – Cheap And Cheerful | 10 Kavinsky – Testarossa Autodrive | 11 Benjamin Teves – Texas | 12 Das Pop – Fool For Love | 13 Bloc Party – I Still Remember | 14 Sebastian Tellier – Sexual Sportswear | 15 Klaxons – Golden Skans | 16 Annie – Happy With You | 17 Nadiya – Tous ces mots
Release: 26.09.08 bei Ed Banger Records
|http://www.edbangerrecords.com|
Künstler-Homepage: http://www.myspace.com/0sebastian0
cover
Bewertung:
5/5